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Schmalspurbahnen im Harz

Die Bahnen – Die Signale bei der HSB

Vorbemerkung:

      Nach der Wiedervereinigung mussten die Signalsysteme der (damals noch) Deutschen Bundesbahn (DB) und der Deutschen Reichsbahn (DR) harmonisiert werden. Die Kombination des westdeutschen Signalbuchs (SB) DS 301 und der ostdeutschen DV (Dienstvorschrift) 301 war eine der Aufgaben, welche die 1994 gegründete Deutsche Bahn AG zu lösen hatte. Dies ist ein Projekt, das nicht auf Jahre, sondern auf Jahrzehnte angelegt ist, und es ist noch lange nicht abgeschlossen, aber jede neue Ausgabe des SB DS/DV 301 brachte weitere Schritte zur Vereinheitlichung.

      Als ich diese Seite im August 2008 erstmals veröffentlichte, war die aktuelle Ausgabe der DS/DV 301 noch die von 2006. Am 14. 12. 2008 trat bei der DB AG die neue Richtlinie 301 Signalbuch in Kraft. In den Vorbemerkungen heisst es darin
      „Soweit in dieser Richtlinie einzelne Bestimmungen nur in den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen angewendet werden, ist bei der Bestimmung, in der Abschnittsüberschrift oder im Modultitel der Vermerk ‚(DV 301)‘ angebracht.“

      In der Ausgabe 2008 (zu der es bereits eine Ergänzung gibt, die Bekanntgabe 2 zur Richtlinie 301, gültig ab 13. 12. 2009) des Signalbuchs sind die alten genauen Bezeichnungen der DV-301-Signale (etwa So 2 für die Schachbretttafel), die man 2000 noch fand, nicht mehr aufgeführt. Es heisst dort nur noch „So (DV 301)“. Ich habe diese Information trotzdem belassen, damit Freunde der Harzbahnen in der Reichsbahnzeit diese Bezeichnungen einordnen können, wenn sie ihnen irgendwo begegnen. Diese Bezeichnungen sind mit „DV 301: …“ bezeichnet.

 

Signal in Drei Annen Hohne

      Freunde und Kenner z. B. der Rhätischen Bahn werden an dem oben gezeigten Bild nichts ungewöhnlich finden: Es zeigt ein Lichtsignal in Drei Annen Hohne, aufgenommen im Juni 2007. Die Schachbretttafel (Ne 4, DV 301: So 2) zeigt an, dass das Hauptsignal links vom Gleis steht.
      Tatsächlich ist die Einführung moderner Lichtsignale bei der HSB relativ neu; erst nach einem schweren Unfall im Sommer 1994 wurde der signalisierte Zugleitbetrieb auf der Harzquerbahn eingeführt. Nur in Nordhausen-Nord fanden wir im Sommer 2007 noch Flügelsignale:

Signal in Nordhausen-Nord

      Nachdem ich diese Information im Buch von Högemann gefunden hatte, habe ich meine Fotosammlung einmal nur auf die mit abgebildeten Signale hin durchsucht und einiges gefunden. Die folgende Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, zeigt aber viele der bei der HSB eingesetzten Signale und Signaltafeln. Ich stelle sie nicht strukturiert vor, sondern zeige Szenen aus Bahnhöfen und von der Strecke, wie sie dem Eisenbahnfreund eben im Alltag begegnen.

Drei Annen Hohne, 27. Juni 2007 Von links nach rechts:
  • Pfeiftafel (Bü 4, DV 301: Pf 2)
  • Das Ks-Lichtsignal kann ich nicht schlüssig erklären: Es ist eigentlich ein Hauptsignal (zwei senkrecht übereinander angeordnete Lampen), das den Signalbegriff Hp 0 (Halt) zeigt. Es weist aber auch die eigentlich nur bei Ks-Signalen mit Vorsignalfunktion vorkommenden weissen Zusatzlichter oben und unten auf. Das weiss-rot-weisse Mastschild regelt das Verhalten bei Halt zeigendem oder gestörtem Lichtsignal.
  • Pfeiftafel und Geschwindigkeitssignal Lf 7
Drei Annen Hohne, 27. Juni 2007
Alexisbad, 28. Juni 2007 Signal „Halt vor dem Bahnübergang“ (Bü 0) bzw. „Bahnübergang darf befahren werden“ (Bü 1). Daneben Rangierhalttafel Ra 10.
 
Alexisbad, 28. Juni 2007
Alexisbad, 28. Juni 2007
  • Die Haltetafeln („H“) zeigen die Position der Zugspitze bei planmässig haltenden Zügen (Ne 5, DV 301: So 8).
  • Die roten Pfeile zeigen auf die Grenzzeichen (Ra 12, DV 301: So 12). Diese zeigen an, wie weit ein Fahrzeug an eine Weiche oder Kreuzung heranfahren darf, ohne in das Lichtraumprofil des anderen Gleises zu geraten.
Alexisbad, 28. Juni 2007
 
Stiege, 28. Juni 2007
Die Wendeschleife bei Stiege zeigt „klassische“ DR-Signale nach DV 301:
  • Die Geschwindigkeitstafeln sind die Lf 4 nach DV 301. Die angezeigte Geschwindigkeit darf nicht überschritten werden. (Es gibt auch in der DS 301 eine mit Lf 4 bezeichnete Geschwindigkeitstafel, die allerdings nur eine Zahl zeigt, deren Wert mit 10 zu multiplizieren ist.)
  • Die Eckentafel (Lf 5 nach DV 301) bedeutet, dass die durch das Signal Lf 4 angezeigte Geschwindigkeitsbeschränkung an dieser Stelle durchgeführt sein muss, dass die Begrenzung also ab dieser Stelle gilt. (Die DS 301 kennt ebenfalls ein mit Lf 5 bezeichnetes Signal, das ist die Anfangtafel, die ein grosses A zeigt. Die Bedeutung ist die gleiche wie die der Eckentafel.)
Lf 4 und Lf 5 (DS 301 und DV 301) sollten gemäss der ab März 2006 geltenden DS/DV 301 nicht mehr neu aufgestellt werden. In der Richtlinie Signalbuch von 2008 findet sich dieser Hinweis nicht mehr!
 
Stiege, 28. Juni 2007
 
Quedlinburg, 28. Juni 2007 Quedlinburg, 28. Juni 2007
  • Links sehen wir ein Wartezeichen (Ra 11, DV 301: Ra 11a), das bedeutet, dass ein expliziter Auftrag für eine Rangierfahrt abzuwarten ist.
  • Im Hintergrund (rechts vergrössert) ein Bü 0 (DV 301: So 16a).
Quedlinburg, 28. Juni 2007
 
Bei Schierke, 1. Juli 2007 Langsamfahrscheibe (Lf 1).
 
Nähe Schierke, 1. Juli 2007
 
Elend, 2. Juli 2007 Elend, 2. Juli 2007
Die meisten der hier gezeigten Signale sind uns schon begegnet. Die hinter dem Verkehrsschild erkennbare Tafel (kleines Bild rechts) ist die unmittelbar vor einem Bahnübergang aufzustellende Bü-Kennzeichentafel.
 
Elend, 2. Juli 2007
 
Elend, 23. Juli 2006
Hier sehen wir zweimal die „Pfeiftafel vor Bahnübergängen“ Pf 2 (DV 301), die aus zwei übereinander angebrachten P besteht, jeweils in Kombination mit einem Geschwindigkeitssignal Lf 7. Die rote Tafel mit weissem Rand im Hintergrund ist das am Ende eines Stumpfgleises angebrachte Signal Sh 2 „Schutzhalt“. Rechts im Bild noch ein Grenzzeichen Ra 12.
 
Elend, 23. Juli 2006
 
Harzgerode, 5. Juli 2007
Das Streckenende in Harzgerode (im Hintergrund) ist mit einem Sh 2 markiert. Bei begrenzten Platzverhältnissen dürfen viele Signale auch niedrig, also ohne Mast, montiert werden, wie wir an der Haltetafel und dem Wartezeichen links sehen.
 
Harzgerode, 5. Juli 2007
 
Harzgerode, 5. Juli 2007
Noch einmal Harzgerode: Hier kann man sehr schön die Signalisierung vor und an Bahnübergängen studieren. Das gelbe Schild rechts ist eine Bü-Ankündetafel (mit der zugehörigen Streckenkilometer-Angabe), es wird ergänzt um zwei weisse „Bü“. Die DS/DV 301 von 2006 und die Richtlinie Signalbuch von 2008 schreiben dazu „Der Anfang einer gemeinsamen Einschaltstrecke für mehrere Bahnübergänge mit Blinklichtern oder Lichtzeichen wird über der Bü-Ankündetafel für den ersten zugehörigen Bahnübergang durch eine weisse rückstrahlende Tafel mit schwarzer Aufschrift ‚Bü/Bü‘ angezeigt.“
Weiter links im Bild, also in Fahrtrichtung, stehen dann unmittelbar vor dem Bahnübergang das Signal Bü 0 (s.o.) und das jetzt weisse Schild (Bü-Kennzeichentafel) mit der Kilometerangabe, da wir uns ja unmittelbar vor dem Bahnübergang befinden. Der nächste folgende Bahnübergang ist wiederum mit einer gelben Ankündetafel unmittelbar darüber signalisiert.
 
Harzgerode, 5. Juli 2007
 
Benneckenstein, 6. Oktober 2012 Eine Ergänzung zum oben gezeigten Bild: Das Schild „Automatik-HET“ ist ein Orientierungszeichen, das die „Zugeinwirkungsstelle für die automatische Hilfseinschaltung von Bahnübergangssicherungsanlagen“ bezeichnet.
 
Benneckenstein, 6. Oktober 2012
 
Drei Annen Hohne, 8. Juli 2007
Ganz links im Bild, etwas verdeckt, sehen wir einen Neigungswechselanzeiger (kommt in der DS/DV 301 nicht vor), der an Stellen mit starkem Wechsel von Steigung bzw. Gefälle angebracht wird. Dies ist noch der ganz alte preussische Typ, der laut Carstens gerade bei der HSB noch verbreitet ist. (Von 1959 bis 1972 gab es eine Neigungswechseltafel mit der Bezeichnung Ne 12 bei der DB; 1972 wurde dieses Signal ersatzlos gestrichen.)
Rechts ein Kombinationssignal mit Vorsignalfunktion (3 Lichter).
 
Drei Annen Hohne, 8. Juli 2007
 
Diorama Bahnhof Wernigerode-Westerntor, 6. Oktober 2012
Offenbar wird ein solcher Neigungswechselanzeiger als typisches (romantisches?) Nebenbahn-Accessoire gesehen: Im Bahnhof Wernigerode-Westerntor gibt es oberhalb des an anderer Stelle gezeigten H0m-Dioramas auch ein kleines Schaustück in Baugrösse IIm, auf dem ein solches Zeichen montiert ist.
 
Wernigerode-Westerntor, 6. Oktober 2012
 
Stiege, 28. Juni 2007 Stiege, 28. Juni 2007
Im Bahnhof Stiege finden wir diese Beispiele für die Sicherung von Rückfallweichen:
Im grossen Bild ist am linken Rand eine Ankündigungsbake So 17 (nur DV 301) zu sehen, die das „Überwachungssignal einer Rückfallweiche“ So 18 (ebenfalls nur DV 301) ankündigt.
Das entsprechende Signal ist ganz hinten erkennbar und rechts vergrössert dargestellt. Es zeigt den Signalbegriff So 18a, „die Rückfallweiche ist gegen die Spitze befahrbar“, der durch zwei waagerecht nebeneinander angebrachte weisse Lichter dargestellt wird. Das orange/weiss gestreifte Mastschild ist am So 18 Standard. (Der zweite Signalbegriff So 18b – „die Rückfallweiche ist gegen die Spitze nicht befahrbar, vor der Weiche halten!“ – wird durch nur ein weisses Licht rechts dargestellt.)
Rechts im grossen Bild sieht man die Rückseite des So 18, das die dort liegende Rückfallweiche sichert.
 
Stiege, 28. Juni 2007
 

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Erste Veröffentlichung am 17. August 2008, letzte Bearbeitung am 15. Oktober 2012.


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