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Schmalspurbahnen im Harz

Fahrzeuge – Die Dieselloks der Baureihe 1998

Baureihe 199
Zwei „Harzkamele“ warten in
Wernigerode auf den Einsatz
(29. Juni 2007).
 

      Schön sind sie nicht, die schweren Dieselloks der Baureihe 1998. „Rote Kamele“ oder „Harzkamele“ nennt sie der Volksmund im Harz, was auf die Höhe der Fahrzeuge (mit 4,35 m überragen sie die Neubauloks um 70 cm) und die nicht HSB-typische Farbgebung zurückzuführen ist. Mit 60 Tonnen Leergewicht nur eine Tonne leichter als eine Neubaulok, aber mit 1225 PS um 75% stärker als diese, sind sie wahre Lasttiere.

      Dass sie vor einem Reisezug überdimensioniert wirken („optisch wenig überzeugend“ schreiben Bethke et al. – nett formuliert …), liegt daran, dass eine 1000-mm-Schmalspurbahn nicht ihre angestammte Heimat ist:
      Diese Lokomotiven sind Umbauten von Normalspur-Fahrzeugen, bei der DR liefen sie als Baureihe V 110 (1).

Baureihe 199
Normalspurpuffer und Trichterkupplung
(unterhalb des Mittelpuffers)
werden beim Rollbock-/Rollwagenbetrieb gebraucht
(29. Juni 2007).
 

      Warum kamen diese Maschinen in den Harz? Mitte der achtziger Jahre machte sich bei den Harzbahnen Lokomotivmangel bemerkbar; schwere Güterzüge mussten teilweise von den Neubauloks in Doppeltraktion geführt werden. Dieselloks waren die Antwort, aber die durfte die DDR nicht selber bauen. (Diese Information habe ich in keinem Buch gefunden; Näheres dazu finden Sie auf der → HSB-Website.) Durch die zunehmende Elektrifizierung wurden aber normalspurige Maschinen bei der DR frei, die nach entsprechenden Umbauten bei den Harzbahnen eingesetzt werden konnten.
      Diese Umbauten gestalteten sich ziemlich aufwändig: Die ursprünglich vierachsigen Maschinen wurden auf sechs Achsen umgebaut, um den Oberbau nicht zu sehr zu belasten – die Achslast von 10 Tonnen durfte nicht überschritten werden. Die mittlere Achse hat wegen der engen Kurvenradien keinen Spurkranz, aus dem gleichen Grund (Auslenkung der Drehgestelle) wurde der Lokkasten erhöht aufgesetzt. Die 1998 sind damit höher als die entsprechenden Normalspur-Maschinen.

      Zwischen 1988 und 1991 kamen zehn „Harzkamele“ zu den Harzbahnen; sie bekamen zwar eine neue Baureihenbezeichnung (199 statt 110), behielten aber ihre alten Ordnungsnummern, so dass man bei den zehn Loks Betriebsnummern von 199 861 bis 199 892 findet.

199 861-6
199 861-6 ist für den Rangierdienst in Wernigerode mit einer Funkfernsteuerung ausgerüstet (29. Juni 2007).

      Ursprünglich hatte man geplant, insgesamt 30 dieser Maschinen für den Betrieb im Harz umzubauen – das wäre wohl das Ende des Dampfbetriebs gewesen.
      Nach der Wende änderte sich der Lokomotiv-Bedarf aber drastisch: Der Güterverkehr ging massiv zurück, und die Harz-Touristen erwarteten Dampfloks, keine überdimensionierten Diesel vor leichten Personenzügen.

199 874-9
Die Kö II hat 199 874-9 inzwischen aus der Halle geholt (s. kleines Bild oben rechts)
und „Fotografen-freundlich“ abgestellt (29. Juni 2007).

      Die HSB reagierte prompt auf diesen geänderten Bedarf: Man beliess es bei den zehn Maschinen, die man hatte, weitere Umbauten wurden nicht durchgeführt. Auch von diesen zehn Loks hat sich die HSB inzwischen zum Teil wieder getrennt, so dass aktuell nur noch drei „Harzkamele“ im Einsatz sind:
      199 861 wird im Rangierdienst in Wernigerode eingesetzt, 199 872 und 874 wurden für den Rollfahrzeugbetrieb umgerüstet (Funkfernsteuerung, hydraulisch abklappbare Normalspur-Puffer, Trichterkupplung für Stangenkupplung an Rollwagen) und werden noch im Güterverkehr gebraucht.

199 871-5
199 871-5 ist in Wernigerode-Westerntor abgestellt (6. Oktober 2012).

      Die HSB bemüht sich, im Personen-, insbesondere Tourismus-Verkehr möglichst ohne den Einsatz der Dieselloks auszukommen – das allerdings bedeutet, dass Sie eine solche Maschine auf der Strecke nicht sehr oft sehen.


Fussnoten:

  1. Sie lesen gelegentlich „V 100/V 110“. Die für den Harz umgebauten Maschinen gehören aber alle zu den jüngsten ihrer Baureihe (Baujahre 1976 bis 1978) und sind damit 110er.

Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 17. August 2008, letzte Bearbeitung am 15. Oktober 2012.


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