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Schmalspurbahnen im Harz

Einleitung

      Ganz ehrlich, liebe Leser (vor allem meine schweizerischen Schmalspurfreunde): Was wissen Sie über den Harz? Falls Sie gelegentlich alkoholische Getränke konsumieren, sind Ihnen vielleicht noch Hasseröder (ein hervorragendes Pils!), Schierker Feuerstein oder Nordhäuser Doppelkorn ein Begriff, aber sonst? Richtig, in der Walpurgisnacht tanzen die Hexen auf dem Blocksberg, und das ist bekanntlich der Brocken. War da noch mehr?

Schierke: Schierker Feuerstein Nordhausen: Nordhäuser Doppelkorn
Botschafter ihrer Heimatorte, die das Harzgebiet
weit überregional bekannt machen:
 
In Schierke (links) und Nordhausen (oben) sind die Hinweise
auf die berühmten Getränke unübersehbar.

      Ein Blick auf die Landkarte offenbart die Ursache des (meist) vorhandenen Informationsdefizits: Grosse Teil des Harz-Gebietes lagen in der DDR und waren damit nicht ohne Weiteres für Besucher aus dem Westen erreichbar; selbst für die Bürger der DDR war der Brocken seit der Einstellung des Zugverkehrs am 15. 8. 1961 (zwei Tage nach dem Mauerbau in Berlin) als militärisches Sperrgebiet nicht mehr zugänglich.

      Nach der Wende meldeten sich natürlich auch in Sachen Schmalspurbahnen im Harz die berüchtigten „Kaputtsanierer“, die das nicht immer positive Bild der Wessis in den neuen Bundesländern leider erheblich geprägt haben: Wirtschaftlich musste alles werden, Profit-orientiert und dem Gott des Shareholder-Value dienend. Also: Weg mit den alten Dampfbahnen, alles stilllegen, nur die touristisch interessante und profitable Strecke Wernigerode – Brocken sollte erhalten bleiben, aber natürlich mit zeitgemässen Dieseltriebwagen bedient werden.

„Als Folge der Wende ‚bemüht‘ sich nun ein privat-gesellschaftliches Konsortium um die beiden Schmalspurbahnen im Harz, das offensichtlich nur den lukrativen Betrieb zum Brocken mittels moderner Triebwagen aufnehmen, den Rest aber stillegen will. Von Dampflokomotiven ist keine Rede mehr.“

Wagner 1991

      In dieser Situation konstituierte sich die Interessengemeinschaft Harzer Schmalspur- und Brockenbahn e.V. (seit Mai 1992 Interessengemeinschaft Harzer Schmalspurbahnen e.V.), deren Verdienste um die Erhaltung des Harzer Schmalspurnetzes immens waren – von einem Eisenbahnfreund an dieser Stelle ein herzlicher Dank dafür!
      Diese Interessengemeinschaft konnte die Länder Sachsen-Anhalt und Thüringen und interessierte Gemeinden von ihrem Konzept überzeugen, das den Erhalt aller drei Bahnen und vor allem die Beibehaltung des Dampfbetriebs vorsah.

      Das Ergebnis dieses Engagements war die am 1. 2. 1993 erfolgte Gründung der ersten privaten Eisenbahngesellschaft in den neuen Bundesländern, der Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) (1). Mitglieder dieser GmbH sind die Landkreise Wernigerode, Quedlinburg und Nordhausen, 17 Gemeinden und die Kurbetriebsgesellschaft Braunlage. Eine „Anschubfinanzierung“ der Deutschen Reichsbahn und eine Garantie der Länder Sachsen-Anhalt und Thüringen halfen dem neuen Unternehmen, sich zu etablieren.

      Mit der am 1. Juli 2007 in Kraft getretenen → Kreisgebietsreform im Bundesland Sachsen-Anhalt gibt es die oben genannten Landkreise teilweise nicht mehr; Harz-Reisende müssen sich von den bekannten Autokennzeichen WR (Wernigerode) und QLB (Quedlinburg) verabschieden und sich an die neuen Kennzeichen HZ (Harz) und MSH (Mansfeld-Südharz) gewöhnen. Der Kreis Nordhausen (Autokennzeichen NDH) liegt in Thüringen und ist daher nicht betroffen; südlich von Eisfelder Talmühle bleibt also alles beim alten.

      Immer wieder findet man in Büchern aus der Zeit nach der Wende den Hinweis, dass von den drei Bahnen die Selketalbahn die wirtschaftlich am meisten gefährdete sei; die Harzquerbahn galt wegen der touristischen Erschliessung des Brocken durch die in Drei Annen Hohne abzweigende Brockenbahn als stabil.

      Wegen der absehbaren Stillegung der Normalspur-Strecke Gernrode – Quedlinburg der DB AG (der letze Zug fuhr am 31. 1. 2004) entschloss sich das Land Sachsen-Anhalt zusammen mit der HSB im Oktober 2003 zu einem mutigen Schritt (der hoffentlich honoriert wird), um die Attraktivität der Selketalbahn zu erhalten: Die Strecke wurde mit 6 Millionen Euro Landesmitteln zur 1000-mm-Schmalspurstrecke umgebaut. 2006, 101 Jahre nach Vollendung der ursprünglichen Bahn, wurde dieser neue, 8,5 km lange Streckenabschnitt von Gernrode nach Quedlinburg eröffnet, durch den die Selketalbahn jetzt direkt die Weltkulturstadt Quedlinburg erreicht und Anschluss an wichtige Eisenbahnlinien im Norden gewinnt (2).

      Eine nördliche Verbindung zwischen Harzquerbahn und Selketalbahn, also zwischen Wernigerode und Quedlinburg, wird als Schmalspurbahn sicher nicht gebaut. Diese betrieblich wünschenswerte Verbindung bietet ein privater (normalspuriger) → Bahnbetreiber an; die Reisezeit von Wernigerode (HSB) nach Quedlinburg (HSB) beträgt etwa eine Stunde.

      Aktuell (Herbst 2012) umfasst die HSB damit folgende Bahnen:

HSB-Netz
Netz der HSB
(fotografiert im BW Wernigerode am 29. 6. 2007)

      Ich habe diesen detaillierten Plan in eine stark stilisierte Form umgesetzt; diese grafische Darstellung wird Ihnen auf dieser Website noch häufiger begegnen:

HSB-Netz

      Dieses mit rund 140 km grösste zusammenhängende deutsche Schmalspurnetz hat ca. 400 Brücken und Übergänge, aber – für die schweizerischen Schmalspurfreunde fast nicht vorstellbar – nur einen einzigen, ca. 70 m langen Tunnel. Die grösste Steigung ist mit ca. 40 ‰ zwischen Mägdesprung und Sternhaus Ramberg an der Selketalbahn zu bewältigen, die Fahrt auf den Brocken bietet „nur“ einen Anstieg von 33 ‰.


Fussnoten:

  1. Es gibt auch in der Schweiz eine unter der Abkürzung HSB bekannte Bahngesellschaft, den → Verein Historische Seethalbahn. Diese reine Museumsbahn ist Mitglied im → Verband Historischer Eisenbahnen Schweiz.
  2. Erste Fahrt am 4. 3. 2006, Regelbetrieb ab 26. 6. 2006; Details finden Sie auf der → HSB-Website.

Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 17. August 2008, letzte Bearbeitung am 15. Oktober 2012.


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