Logo der Website

Ist „F-Sport“ noch Lexus?

      Lexus kann Sportwagen bauen. Richtige Sportwagen. Wir erinnern uns an den IS F, der mit dem V8-Motor aus dem LS 600h von der biederen Mittelklasse-Limousine zum „Wolf im Schafspelz“ mutierte, und der LFA geniesst inzwischen, nachdem die limitierte Serie von nur 500 Exemplaren weltweit produziert und ausgeliefert ist, schon fast Kultstatus.

      Warum, fragte ich mich, als ich zum ersten Mal von den F-Sport-Modellen hörte, begibt sich diese Firma jetzt in die Niederungen des „optischen Tunings“, bekannt von Mercedes, wo man auch einen C180 CDI BlueEfficiency mit einem „AMG-Sportpaket“ ausstatten kann, oder von BMW, wo man nicht davor zurückschreckt, ein knapp 4000,– Euro teures „M-Sportpaket“ für den gerade einmal 102 PS leistenden 114i anzubieten?
      Etwas provozierend gefragt: Baut Lexus jetzt Autos für Mantafahrer, die zu Geld gekommen sind?

 

GS 450h
Deutliche Unterschiede im optischen Auftritt:
Oben: Lexus GS 450h
Unten: Lexus GS 450h F-Sport
(Aufgenommen bei → Emil Frey AG Ostermundigen, 16. 2. 2013)
GS 450h F-Sport

 

      In einem Artikel bei Spiegel Online wurde die Frage, wenn auch nicht so pointiert, inhaltlich ähnlich formuliert. Zur F-Sport-Version des CT 200h fragt Jürgen Pander dort „Soll man jetzt vor Freude lächeln (über die Sparsamkeit) oder das ein bisschen lächerlich finden (136 PS für ein Sportmodell)?“ Tatsache ist, dass der Kunde (das unbekannte, aber für Autohersteller so wichtige Wesen) solche Autos offenbar verlangt – auch BMW und Mercedes würden diese Blender (viel Optik, wenig Leistung) nicht bauen, wenn sie sie nicht auch verkaufen könnten.
      Vertreter der reinen Lehre des unaufdringlichen Luxusautos mögen dies bedauern, aber es ist nun einmal die Realität. Der Markt für gepflegtes Understatement ist offenbar nicht so gross, dass eine Firma wie Lexus ausschliesslich davon leben kann; wir leben (wenn Sie einem 50+-Autor diese bedauernde Reminiszenz an alte Zeiten nachsehen wollen) nun einmal in einer Welt, in der der „fette Auftritt“ mehr zählt als die tatsächliche Leistung. Festmachen kann man diese Aussage an vielen Beispielen im Alltag.
      Nein, ich rede jetzt nicht von Managergehältern, obwohl die ein exzellentes Beispiel abgeben würden, ich bleibe bei der Automobilindustrie: Wieso verkaufen sich aufdringliche jetzt-komm-ich-Fahrzeuge wie die AMG-Modelle von Mercedes hervorragend, während die wahrscheinlich beste Limousine aus deutscher Fertigung (und das einzig wirkliche „Premium“-Auto dieser Marke, die den Begriff ständig benutzt), der VW Phaeton, nur mit riesigen Rabatten an den (deutschen) Käufer zu bringen ist?

 

CT 200h F-Sport
Oben: Mit der F-Sport-Version des CT 200h, anlässlich der IAA 2011 vorgestellt, begann die Ära der sportlichen Lexus-Versionen.
Unten: Im Sommer 2012 wurden der RX 450h F-Sport und der LS F-Sport vorgestellt.
(Copyright © Toyota Deutschland GmbH)
RX 450h F-Sport
LS F-Sport
Unten: Der derzeit aktuellste Vertreter der F-Sport-Reihe ist der in Europa beim Genfer Autosalon im März 2013 vorgestellte IS; die Abbildung zeigt den IS 300h F-Sport.
(Copyright © Toyota Deutschland GmbH)
IS 300h F-Sport

 

      Immerhin sind die F-Sport-Lexus nicht nur optisch verändert (die Felgen finde ich teilweise recht elegant, den Heckspoiler am GS 450h etwas unpassend), sondern auch technisch leicht modifiziert, insbesondere mit einer strafferen Federung und Abstimmung ausgestattet. Meine Vorurteile bezüglich des „Lexus für Mantafahrer“ konnte ich endgültig ausräumen, als ich mir einen GS 450h F-Sport einmal bei meinem Händler ganz in Ruhe anschauen konnte. Von dem erwähnten Spoiler abgesehen, macht das Auto einen wirklich ansprechenden Eindruck; das gebürstete Aluminium am Armaturenbrett ist eine Augenweide, und der Gitter-Kühlergrill verschafft dem Auto nicht nur eine aggressivere Front, sondern sieht meiner Meinung nach auch besser aus als der konventionelle Grill. Dazu kommen dann noch echte technische Highlights wie die Allradlenkung – das ist mehr als nur affektiertes Show-Gehabe, das ist ein Sportwagen!

      Fazit: Chacun à son goût. Über die Sinnhaftigkeit einer Sportversion eines 136-PS-Autos kann man streiten, einen IS 300h oder GS 450h würde ich mir als F-Sport sogar in die Garage stellen.

 

Anhang: Woher kommt der Name „F-Sport“?

      Das „F“ in „F-Sport“ erinnert an den Fuji-Speedway, auf dem das erste F-Modell von Lexus, der IS F, seine ersten Tests absolvierte. Ein interessantes Detail: Das grosse F am IS F (das in den später erschienenen F-Sport-Modellen beibehalten wurde) zeigt im Design des Aufstrichs und der Querstriche stilisiert einige Kurven des Fuji-Speedway. In einem 2008 erschienenen Fahrbericht bei → Car and Driver wurde das noch als Gerücht kolportiert („And the stylized Fs on the 2008 IS F are drawn, it’s said, to mimic a few hairpin turns of Toyota’s Higashi-Fuji test track“); inzwischen wurde mir das allerdings bei Lexus quasi offiziell bestätigt.

F-Logo
Können Sie die Kurven identifizieren?
Oben: Das F-Logo am ersten IS F (Copyright © Lexus Deutschland GmbH).
Unten: Der Streckenverlauf des Fuji-Speedway (Wikimedia Commons).
Fuji-Speedway

Literatur:


Zurück zur Sektion Über Lexus / zur Startseite.


Copyright © 2013 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 17. Februar 2013, letzte Bearbeitung am 26. März 2013.


Adresse dieser Seite: http://www.ozdoba.net/lexus/lexus/lexus_f-sport.html

Durch das World Wide Web Consortium validierter Code gemäss dem Standard HTML 5