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Cailler MOB
 
Compagnie du chemin de fer
Montreux – Oberland Bernois

 
www.ozdoba.net/mob
2001

MOB  ·  Montreux – Oberland Bernois

Die Dritte Schiene – eine unendliche Geschichte

      „Für die Verbindung Interlaken-Montreux sowohl, als auch für die Verbindung Luzern-Brünig-Montreux […] wäre es von sehr erheblichem Vorteil, wenn durch die Einlage einer dritten Schiene […] ein durchgehender Verkehr, ohne Wagenwechsel, zwischen Interlaken und Montreux hergestellt werden könnte.“

      Dieser Text klingt zwar brandaktuell, stammt aber aus dem Jahr 1917! Über kein Projekt bei der MOB ist so lange und teilweise so verbissen diskutiert worden wie über jene ominöse „dritte Schiene“.
      Was hat es damit auf sich?

Dreischienengleis - Schema
Dreischienengleis

      Ein Dreischienengleis (oben: Schema, links: bei der RhB; Copyright © C. Ozdoba) erlaubt den Betrieb von Bahnen unterschiedlicher Spurweite auf demselben Trassee. Wir finden solche Dreischienengleise z.B. bei der Rhätischen Bahn bei Domat/Ems; hier können normalspurige (1435 mm) Züge der SBB ebenso wie schmalspurige (1000 mm) Züge der RhB verkehren.
      Der Vorteil der „Nachrüstung“ einer Normalspur-Strecke: Man braucht keine speziellen Anpassungen für die Schmalspur, da Oberbau und Lichtraumprofil schon auf die höheren Ansprüche der Normalspurbahn ausgelegt sind. Auf freier Strecke beschränkt sich der Umbau im Wesentlichen wirklich auf die Einlage einer dritten Schiene im 1000 mm-Abstand, Weichen z.B. sind natürlich bei Drei-Schienen-Betrieb wesentlich komplexer.

      Für die MOB würde der Einbau einer dritten Schiene zwischen Zweisimmen und Interlaken einen durchgehenden Verkehr Montreux-Zweisimmen-Interlaken-Luzern erlauben; der „GoldenPass“-Betrieb wird ja derzeit mit zweimaligem Umsteigen abgewickelt:

(Lesen Sie dazu bitte auch die Seite „GoldenPass Panoramic Express“.)

GoldenPass Panoramic der BLS in Zweisimmen
In Zweisimmen wartet auf dem Normalspur-Gleis der „GoldenPass Panoramic“ der BLS (2.5.2004).
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      Die Idee dieser „dritten Schiene“ wurde mit grosser Beharrlichkeit von der MOB immer wieder diskutiert, ebenso nachhaltig aber von anderen Bahngesellschaften, insbesondere der BLS, bekämpft – man fürchtete ganz einfach, Fahrgäste zu verlieren.

      Heutzutage sieht man das entspannter: 1999 gründeten MOB, BLS und SBB eine Arbeitsgruppe, die sich mit der „Dritten Schiene“ befasst. Die MOB hat die 1995 in Dienst gestellten Ge 4/4 bereits grundsätzlich für einen Zwei-System-Betrieb vorbereitet; sie würden den Verkehr auf dieser Strecke übernehmen. Das Projekt könnte tatsächlich in näherer Zukunft einmal realisiert werden. Dass man fast 90 Jahre damit gewartet hat, hat allerdings seinen Preis: Für das Projekt wird derzeit eine Investitionssumme von ca. 55 Millionen Franken veranschlagt!

      Es gibt eine sehr engagierte Interessengemeinschaft, die „IG Golden Pass/Dritte Schiene“, die sich für die Realisierung dieser Idee einsetzt. Diese IG hat leider keine eigene Website, aber man kann sich auf dem Web durch gelegentliche Berichte über Veranstaltungen dieser Gruppe informieren:

      In einem Referat anlässlich der Generalversammlung des „Verbands öffentlicher Verkehr“ am 28.8.2003 entwickelte Richard Kummrow, der Direktor der GoldenPass Services, das Konzept eines vereinigten grossen Meterspurnetzes, das mit der „Dritten Schiene“ die durchgehende Verbindung Montreux – Zweisimmen – Interlaken – Luzern ermöglichen könnte; die Kosten gab er dabei mit insgesamt 140 Millionen Franken an.

Arst 151
Für den Arst 151, den auf der Seite Zweisimmen eingesetzten Steuerwagen des „GoldenPass Panoramic“,
endet die Fahrt derzeit vor einem Prellbock im Bahnhof Zweisimmen (2.5.2004).

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      Derzeit sieht es so aus, als würde eine Entscheidung recht bald fallen – man darf gespannt sein! Es ist schon eine faszinierende Vorstellung, aus einem der „VIP-Plätze“ im Arst 151 auf den Vierwaldstätter See zu schauen …


Nachtrag 26. Oktober 2006

      Die Entscheidung ist gefallen: Leider scheitert die Umsetzung dieser Idee an den Kosten.

BZ vom 25.10.2006
Artikel aus der „Berner Zeitung“ vom 25.10.2006
Quelle: Website der BZ

Nachtrag 5. Juli 2009

Nicht die Schiene umbauen, sondern die Fahrzeuge anpassen!

      In einer Pressekonferenz am 3. Oktober 2008 stellte die MOB ein neues Konzept vor, das darauf basiert, statt der Schiene die Fahrzeuge anzupassen. „Umspuren“ lautet das Zauberwort – mehr dazu auf einer eigenen Seite.


Literatur:


Copyright © 2004 – 2009 und verantwortlich für den Inhalt: Christoph Ozdoba.
Erste Veröffentlichung am 1. Juni 2004, letzte Bearbeitung am 5. Juli 2009.


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