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Cailler MOB
 
Compagnie du chemin de fer
Montreux – Oberland Bernois

 
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2001

MOB  ·  Montreux – Oberland Bernois

30 Jahre Luxus: Die „Panoramic“-Züge von 1979 bis heute

II. Panoramic Express (1979 / 1982)

      Der grosse Erfolg des As 110 veranlasste die MOB, weitere Fahrzeuge in der gleichen luxuriösen Ausstattung zu bauen. Bereits zweieinhalb Jahre nach Inbetriebnahme des Prototyps, im Jahr 1979, wurden weitere Wagen in der bewährten Kooperation zwischen der MOB-Hauptwerkstätte in Chernex und der Karosseriebaufirma Ramseier & Jenzer umgebaut und am 18.5.79 in Dienst gestellt. Diese neuen Panoramawagen waren

      Damit stand nun ein vollwertiger Zug mit je zwei 1.- und 2.-Klasse-Wagen zur Verfügung. Die 1.-Klasse-Wagen boten jeweils 36, jeder der 2.-Klasse-Wagen 52 Passagieren Platz; je ein Wagen wurde komplett als Raucher- (As 110, Bs 220) bzw. Nichtraucher-Fahrzeug (As 111, Bs 221) betrieben.
      Die 2.-Klasse-Wagen Bs 220/221 waren mit 19 t etwas schwerer als die 18 t wiegenden Erstklass-Wagen und mit 17,125 m 30 cm länger als diese. (An solchen Kleinigkeiten können Sie die Qualität von Modellen nachmessen – in 1:87 macht der Unterschied knapp 3,5 Millimeter aus.)

      Mit der Einführung des Sommerfahrplans 1979 lief dieser Zug (immer noch Zugnummern 101/52) erstmals unter dem Namen Panoramic Express.

      Die Einführung des Taktfahrplans in der Schweiz mit dem Sommerfahrplan 1982 (gültig ab 23.5.1982) war der Anlass, einen zweiten kompletten Vier-Wagen-Zug zu bauen, der auf den Namen „Simmental-Léman“ getauft wurde. Diese zweite Zuggarnitur setzte sich aus diesen Wagen zusammen:

      Besonders interessant ist dabei der Brs 223: Als 2.-Klasse-Wagen hat er nicht die üblichen 52, sondern nur 48 Sitzplätze, dafür wurde in diesen Wagen eine Selbstbedienungsbar für Speisen und Getränke eingebaut. Äusserlicher Hinweis ist die Beschriftung „BAR“ am Wagenkasten.
      Dieser Service wurde von den Fahrgästen sehr begrüsst, so dass man im Jahr 1987 eine solche Bar auch in die Bs 220 und 222 einbaute. Laut Grandguillaume (s. „Literatur“) wurden diese damit zu Brs 220 bzw. 222 umgezeichnet; der Wagen 222 läuft allerdings bis heute mit der Typenbezeichnung „Bs“. Eine mögliche Erklärung: Ein schlichter Tippfehler bei Grandguillaume; die hervorragend und umfassend recherchierte Website → X-Rail nennt nämlich als zweiten umgebauten Wagen nicht den 222, sondern den 221 – und das würde „passen“! Ich werde dem nachgehen …
      Sämtliche Wagen verfügten, wie diejenigen des ersten Zuges, über Klimaanlage, Soundsystem und Ski-Halter in den Eingangsbereichen.

Bs 222
Der Bs 222 in heutiger Ausführung mit
Jubiläumsinschrift „1901–2001“ in Montreux am 18.4.2004

(Copyright © 2004 C. Ozdoba)

      Nachdem ab 1983 mit den GDe 4/4 6000 leistungsstarke Triebfahrzeuge zur Verfügung standen (s.u.), wurden die beiden Panoramic-Züge um je einen fünften Wagen ergänzt, der in Spitzenverkehrszeiten beigestellt werden konnte. Diese waren

Panoramic-Express
Panoramic Express mit fünf Wagen, gezogen von einer GDe 4/4
(Copyright © MOB)

      In den Jahren 1989 und 1990 wurden zwei weitere neue Wagen in Dienst gestellt, die jeweils 52 Fahrgästen in der 2. Klasse Platz boten. Diese beiden Wagen, der Bs 226 (1989) und Bs 227 (1990), waren technisch für den durchgehenden Verkehr nach Luzern auf einer schon damals immer wieder diskutierten „dritten Schiene“ ausgelegt.
 

Die Triebfahrzeuge des Panoramic Express

      Das Konzept, alte Wagen umzubauen, war wirtschaftlich interessant, hatte aber einen betrieblichen Nachteil: Die Wagen waren relativ schwer. In der ersten Zeit (ab 1979) standen für den Panoramic Express nur die Triebwagen („autorails“) BDe 4/4 3000 zur Verfügung. Während im Abschnitt Zweisimmen–Lenk ein einzelner 3000er den Zug führen konnte, wurde auf der Strecke Montreux–Zweisimmen in Doppeltraktion gefahren.

      Die vier Triebwagen 3003–3006 reichten damit für den Betrieb aus; fiel jedoch eines dieser Fahrzeuge aus (z.B. wegen eines Regelservice), wurde der Panoramic Express von einem ABDe 8/8 der 4000er-Reihe oder von einem der für den Golden Mountain Pullman Express 1932 beschafften DZe 6/6 geführt.

      Mit der Inbetriebnahme der GDe 4/4 6000 im Jahr 1983 gehörten die Leistungsprobleme dann der Vergangenheit an; diese über 1'000 kW starken Loks konnten mühelos fünf Panoramawagen über die 73‰-Rampe vor dem Jaman-Tunnel ziehen und übernahmen den Regeldienst vor dem Panoramic Express.

Panoramic gemalt
Eine kleine „Knacknuss“ für MOB-Kenner: Dieser liebevoll gemalte Panoramic Express befindet sich an einem MOB-Gebäude.
Wissen Sie, wo? Die Lösung finden Sie, wenn Sie die weiteren Seiten dieser Sektion lesen …
Lemaco Zugpackung in Nm
1989 brachte Lemaco diese Zugpackung des Panoramic Express
in der „Spezialisten-Nenngrösse“ Nm heraus.
Es gab alle vier Versionen der GDe 4/4 6000 mit den Wagen As 111, Bs 220 und Brs 223;
das Set kostete damals Fr. 890,–.

(Copyright © 2005 Johann Glaser, mit freundlicher Genehmigung hier verwendet)

      Der Panoramic Express war ein grosser Erfolg, aber die MOB ruhte sich nicht auf ihren Lorbeeren aus. Das „Panorama“-Konzept war noch steigerungsfähig; völlig neue Ansichten und Aussichten für die Fahrgäste bot die nächste Generation, der 1985 eingeführte Superpanoramic Express. Lesen Sie dazu bitte die nächste Seite.


Fussnoten:

  1. Datum gemäss Grandguillaume; Kunnes nennt 1944 (s. „Literatur“)

Copyright © 2005–2008 und verantwortlich für den Inhalt: Christoph Ozdoba.
Erste Veröffentlichung am 28. April 2005, letzte Bearbeitung am 3. März 2008.


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