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Cailler MOB
 
Compagnie du chemin de fer
Montreux – Oberland Bernois

 
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2001

MOB  ·  Montreux – Oberland Bernois

MOB und RhB – Gemeinsamkeiten und Unterschiede für den Eisenbahnfreund und Modellbahner

      Ich beschäftige mich seit 1996 mit der RhB, aber erst seit 2004 mit der MOB. Einiges ist mir dabei aufgefallen, als ich versuchte, Informationen zu beschaffen, mich mit der Geschichte der MOB vertraut zu machen oder MOB-Modelle zu kaufen.

      Die MOB ist längst nicht so populär wie die RhB.
      Das ist schade, aber es ist eine Tatsache. Ein Beispiel? Schauen Sie einmal in schweizerischen Eisenbahnzeitschriften, wie viele Hotels in Graubünden dort Anzeigen schalten mit Hinweisen wie „Blick auf die Albulabahn“ oder „nahe Bahnhof XXX“. Kennen Sie ein Hotel, das damit wirbt, dass Sie einen herrlichen Blick auf die MOB-Strecke oder den Bahnhof Les Avants haben?

      Gemeinsam ist beiden, dass es 1000-mm-Schmalspurbahnen in faszinierender Landschaft sind. Technisch gibt es Unterschiede: Die RhB fährt auf dem Stammnetz mit 11'000 V 16 2/3 Hz Wechselstrom, die MOB mit 900 V Gleichstrom.

      Vergleichen wir einmal die beiden Bahnen unter verschiedenen Aspekten:

Netz vs. Strecke

      Das Streckennetz der RhB ist eben genau das: Ein geschlossenes Netz, in dem man sich „im Kreis“ bewegen kann, wobei es sogar noch Möglichkeiten der Variation gibt. Entsprechend gibt es bei der RhB verschiedene Linien.

      Die MOB dagegen ist im Wesentlichen eine Linie, nämlich die von Montreux nach Zweisimmen und weiter nach Lenk, also eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung (wie übrigens die meisten Schmalspurbahnen).


Die Sprachbarriere

      Dies könnte ein Grund dafür sein, dass es die MOB schwerer hat: Sie ist nun einmal eine westschweizerische Bahnlinie, und die Sprache der MOB ist französisch.

      Das derzeit wohl umfassendste, wenn auch leider nicht mehr ganz aktuelle Standardwerk über die MOB (Grandguillaume et al.: „Chemin de fer Montreux-Oberland Bernois. Du Léman au Pays-d'Enhaut“; s. auch „Literatur“) ist schon seit 10 Jahren auf dem Markt, ohne dass eine deutsche Ausgabe in Sicht wäre. Spätestens das 100-Jahre-Jubiläum im Jahr 2001 wäre doch die Gelegenheit gewesen, aber kein Verleger hat sie ergriffen. Auch der nächste Termin, der Abschluss der 100-Jahr-Feiern im Jahr 2005, verging ohne eine neue MOB-Publikation. Schade!

      Belloncles „Chemin de fer Rhétique“ dagegen war gerade zwei Jahre auf dem Markt, als eine erweiterte deutsche Fassung erschien – die RhB braucht man auf Deutsch, die MOB nicht?

      Interessanterweise gibt es eine Reihe von – oft mehrsprachigen – Veröffentlichungen über die MOB aus den achtziger Jahren, aber eben nichts wirklich Aktuelles. Solange keine umfassende aktuelle deutsche Monographie erhältlich ist, die auch den Ansprüchen fortgeschrittener Eisenbahn- und Modellbahnfreunde gerecht wird, wird die MOB es schwer haben, im deutschsprachigen Raum neue Freunde zu gewinnen.


Die bahntechnischen Highlights

      Bei den Bahnbauten punktet die RhB mit dem → Weltkulturerbe Albulabahn und Berninabahn und mit einzelnen Bauwerken wie dem Landwasserviadukt, dem Kreisviadukt bei Brusio und dem Albulatunnel. Seit fünf Jahren hat man mit dem Vereinatunnel noch einen Superlativ, nämlich den längsten Schmalspurtunnel der Welt!

      Vergleichbare Bauten fehlen der MOB; es gibt imposante Brücken und einen über 2 km langen Tunnel, aber eben nicht das „muss-man-gesehen-haben“-Bauwerk.

      Dabei gibt es eine technisch faszinierende Eigenschaft der MOB, die aber wohl nur die eben auch technisch versierten Bahn-Insider kennen: Sie hat – als reine Adhäsionsbahn, also ohne Zahnradbetrieb – vor dem Jaman-Tunnel eine Steigung von 73‰, und das ist mehr, als irgendeine Linie der RhB aufweist!


Die Clubs

      Hier beisst sich die Katze in den Schwanz (vornehmer ausgedrückt, ist es ein negativ rückgekoppelter Regelkreis):

      Wenig bekannte Bahn, keine Clubs. Keine Clubs, und die Bahn wird nicht bekannt.

      Organisationen wie „Verein der Dampffreunde“, „Albula-Bahn-Club“ oder „Club 1889“ tun enorm viel für die RhB, aber solche Aktivitäten gibt es bei der MOB nicht. Es wäre schön, wenn zum Beispiel die Restaurierung des DZe 6/6 2002 mit der gleichen Begeisterung wie die Restaurierung des „Bernina-Krokodils“ in Angriff genommen würde: Ein engagierter Club, Berichte in der (Modell-)Bahn-Presse, Unterstützung durch einen grossen Modellbahn-Hersteller …


Die Modelle

      Hier gilt das Gleiche wie bei den Clubs: Ein grosses Angebot weckt das Interesse, ist das Angebot klein, interessieren sich auch nicht viele Modellbahner dafür.

      Bemo muss gelobt werden, weil diese Firma die einzigen für den Normalverdiener bezahlbaren MOB-Modelle baut und gerade in den letzten Jahren etliche schöne Modelle herausgebracht hat. Trotzdem: Auch bei Bemo dominiert die RhB. Wie sonst könnte man erklären, dass selbst dieser renommierte Hersteller die Ge 4/4 der 8000er-Serie nicht einmal mit den vorbildgerechten Pantographen mit drei Schleifstücken ausrüstet? Warum gibt es bis heute nicht den passenden zweiten Steuerwagen zum „Golden Pass Panoramic Express“?


Der Betrieb

      Obwohl in der Schweiz vieles im Eisenbahnbetrieb vereinheitlicht ist, gibt es einige Unterschiede; vor allem Modellbahner achten auf Kleinigkeiten wie z.B. Zugschlussleuchten.

      Ich habe einige Dinge, die mir dazu aufgefallen sind, auf einer separaten Seite in der Sektion „Die MOB in H0m“ aufgeführt.


Die Öffentlichkeitsarbeit

      Die RhB vermarktet sich selbst ausgesprochen geschickt. Ein typisches Beispiel ist der „Bahnladen“ – warum soll der Bahn-Fan mühsam Informationen zusammensuchen, man kann sie ihm ja auch direkt anbieten, sogar offizielle Handbücher und Dienstfahrpläne.


Fazit

      Wenn Sie Ihr Herz für die MOB entdecken – ich empfehle dafür eine Fahrt mit dem GoldenPass Panoramic Express – und sich etwas mehr in dieses Thema vertiefen wollen, wird es Ihnen nicht so leicht gemacht wie bei der RhB.

      Dass die MOB dennoch eine grosse Zahl von Fans hat, war anlässlich der 100-Jahr-Feier des Streckenabschnitts Château-d'Oex – Gstaad am 29.5.2004 zu merken: Sicher mehr als 100 Eisenbahn-Fotografen standen entlang der Strecke Saanen–Rougemont, um die Fahrzeugparade zu dokumentieren, und eine noch grössere Zahl hatte sich auf den verschiedenen am Jubiläumsprogramm beteiligten Bahnhöfen eingefunden. Es gibt sie also, die MOB-Freunde, aber man bemerkt sie weniger. Warum eigentlich?


Copyright © 2004–2008 und verantwortlich für den Inhalt: Christoph Ozdoba.
Erste Veröffentlichung am 1. Juni 2004, letzte Bearbeitung am 30. Juli 2008.


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