Logo der Nikon-Website

Nikon-Digitalkameras

Digitale Bildverarbeitung: Wie viel, wie weit?

      Ich habe lange, sehr lange sogar, gebraucht, um mich mit der digitalen Fotografie anzufreunden. Ich habe sie früher gerne, um es in der derben, aber plastischen Sprache meiner westfälischen Heimat zu sagen, als die Bescheiss-Fotografie bezeichnet.

      Etwas eleganter ausgedrückt, hatte ich nach dem, was ich so in Zeitschriften las und in Fotografie-Foren im Web sah, den Eindruck, dass es einen entscheidenden Unterschied zwischen analoger und digitaler Fotografie gibt:
      Bei der Analog-Fotografie ist mit dem Druck auf den Auslöser die eigentliche Leistung des Fotografen erledigt: Wahl des Bildausschnitts, Farbkomposition, richtige Belichtung – das alles muss vor der Aufnahme bedacht und umgesetzt sein und ist dann auf Negativ oder Dia unverrückbar festgehalten.
      Bei der Digital-Fotografie fängt die Arbeit erst nach dem Druck auf den Auslöser an, und sie wird mit dem Computer erledigt.

      Sieht man die Fülle von Büchern über digitale Nachverarbeitung und die immer leistungsfähigere Software, kann man als Fotograf der alten Schule schon den Eindruck bekommen, dass sich heute niemand mehr wirklich bemüht, Fotografieren zu lernen. Wozu auch, wenn ich das alles hinterher mit meinem Rechner erledigen kann? Ich habe falsch belichtet, die Schattenpartien „saufen ab“? Kein Problem, der Rechner wird es schon richten. Ich habe den Tageslicht-Weissabgleich bei Kunstlicht verwendet? (Früher wäre das die Wahl des falschen Films ohne Filter gewesen.) Wozu gibt es Tonwertanpassungen?

      Nachdem ich nun mit meiner D1X und D3 selbst in das digitale Fotografieren eingestiegen bin, sehe ich das nicht mehr ganz so eng, und manchmal bin ich froh, dass es diese Möglichkeiten gibt.
      Da habe ich, wirklich im Vorübergehen, mit dem DX 12–24 mm an der D1X das Rathaus in Schierke im Harz fotografiert:

Rathaus Schierke

      Das Bild ist katastrophal schlecht; in der Analog-Ära wäre das Dia sofort im Papierkorb gelandet: Die durch das extreme Weitwinkel (aufgenommen bei einem Kleinbild-Äquivalent von 19 mm) hervorgerufenen stürzenden Linien sind schon scheusslich, die schiefe Kamerahaltung ist unverzeihlich.

      Kann man ein solches Bild digital noch retten? Man kann! Dazu braucht man nicht einmal eines der Spitzenprogramme, hier reicht ein Mittelklasse-Grafikprogramm, dass sich ohne wochenlange Einarbeitung benutzen lässt. Das für MacOS X lieferbare Programm → GraphicConverter bietet mit den Funktionen Drehen und Entzerren alles, was man braucht. Knapp 10 Minuten Arbeit, und das Ergebnis kann sich sehen lassen:

Rathaus Schierke

      Früher hätte ich gefragt „Darf man das?“ Ist es legitim, die eigenen fotografischen Unzulänglichkeiten vom Rechner „ausbügeln“ zu lassen? Zunehmend neige ich dazu, diese Frage mit einem klaren Ja zu beantworten.


Link zu dieser Seite:


Copyright © 2008 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 24. August 2008, letzte Bearbeitung am 2. November 2008.


Zurück zur Sektion Nikon-Digitalkameras / zur Startseite.


Adresse dieser Seite: http://www.ozdoba.net/nikon/digital_nachverarbeitung.html

Durch das World Wide Web Consortium validierter Code gemäss dem Standard XHTML 1.0 Strict   Erstellt mit einem Mac