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Weit, weiter, am weitesten – Fischauge als Super-Weitwinkel?

      Irgendwann, wenn man Objektive hat, mit denen die gängigen Brennweitenbereiche (also etwa 24 bis 200 mm) abgedeckt sind, kümmert man sich um Objektive für spezielle Einsatzzwecke. Wenn dann auch Superweitwinkel, „langes“ Tele, Makro- und Shift-Objektiv in der Fototasche liegen, bleibt noch ein Objektivtyp übrig, den viele Fotografen für überflüssig, andere für unverzichtbar halten: Das „Fischauge“.

      Nikon hat grosse Erfahrung mit dem Bau von Fischaugen für Kleinbildkameras; bereits seit den sechziger Jahren gibt es diese Bauart im Programm. Das wohl extremste Objektiv war das 6/5.6, das mit einem Bildwinkel von 220° auch noch Bereiche hinter der Kamera mit aufnimmt! Heute gibt es nur noch ein Fischauge im Objektivprogramm, das 16/2.8 AF-D mit einem Bildwinkel von 180°.
      Dieses Objektiv hatte ich mir irgendwann auch einmal gekauft; oft wurde es mitgenommen, selten gebraucht. Der „dramatische“ Aspekt von Fischaugen-Bildern hat seinen Platz in der Werbung, nüchtern betrachtet prädestiniert der grosse Bildwinkel solche Objektive für Überwachungsaufgaben – aber für den Normalanwender sind dramatische Momente selten.

      Im letzten Urlaub habe ich dann das Fischauge mehrfach eingesetzt, und zwar ganz gezielt im Vergleich mit den Brennweiten 14 und 24 mm (mit dem AF-S 14–24/2.8G ED und AF-S 24–70/2.8G ED).
      Der Bildwinkel von 180° ist konkurrenzlos gegenüber den 114° bei 14 und 84° bei 24 mm. Kann man das Fischauge auch, unter bewusster Vermeidung der für diese Objektive typischen Verzerrungen (die unter Umständen eben gerade den Reiz ausmachen), als ganz normales Superweitwinkel einsetzen? Man kann – aber es erfordert sehr bewusste Bildgestaltung und geeignete Motive. Wir behalten die Regel im Hinterkopf, dass nur Objekte in der Bildmitte unverzeichnet dargestellt werden. Das bedeutet, die eigentlich goldene Regel aufzugeben, dass nichts so langweilig ist wie eine mittig im Bild verlaufende Horizontlinie. Bei einer asymmetrischen Horizontlinie zeigt ein Fischauge aber teilweise schon groteske Verzerrungen! Ich zeige Ihnen das an einigen Beispielen:

Dresden, Fischauge (Ausschnitt)
Dresden, Fischauge (Totale) Das Panoramabild oben könnte man als Logo einer Website über das am Königsufer in Dresden zwischen Augustusbrücke (links) und Carolabrücke (rechts) gelegene Museum für Sächsische Volkskunst verwenden.
Es ist ein Ausschnitt aus dem links verkleinert gezeigten Bild: Der Blick von den Brühl'schen Terrassen aus über die Elbe mit einem Fischauge liefert extreme Verzerrungen – die Strasse im Vordergrund und die Elbe verlaufen hier strikt gradlinig! Fazit: Als Ausschnitt in Ordnung, im Gesamtbild aber weit von der Wirklichkeit entfernt.

 

Dresden, Zwinger, 14 mm
Noch einmal Dresden, hier der Innenhof des Zwingers.
 
Oben: 14 mm, Bildwinkel 114°. Die Weite und Ausdehnung der Anlage kommt beim Blick von der Treppe gut zur Geltung.
 
Unten: 16 mm Fischauge, Bildwinkel 180°. Abgesehen von den stark stürzenden Linien an den seitlichen Bildrändern stört die enorme Verzerrung der Treppe im Vordergrund. Auch dieses Bild wäre nur als Ausschnitt nutzbar.
Dresden, Zwinger, Fischauge

 

      Nach diesen Negativ-Beispielen hier ein Motiv, das bei entsprechender Bildgestaltung keine „unerwünschten Nebenwirkungen“ des Fischauges erkennen lässt. Die Aufnahmen entstanden im Park von Schloss Moritzburg in der Nähe von Dresden. Ein Tipp zu diesen Bildern: Den Gewinn des grösseren Bildwinkels können Sie leicht abschätzen, wenn Sie vom annähernd in Bildmitte quer verlaufenden Weg aus die Bäume nach vorn (also in Richtung auf den Betrachter) zählen.

24 mm, Bildwinkel 84°
Moritzburg, 24 mm
 
14 mm, Bildwinkel 114°
Moritzburg, 14 mm
 
16 mm Fischauge, Bildwinkel 180°
Moritzburg, 16 mm Fischauge
 

 

Fazit

      Das Fischauge bleibt ein Spezialobjektiv mit begrenztem Einsatzbereich. Hätte ich es auch gekauft, wenn man den – jedem engagierten Hobby-Fotografen bekannten – „muss-ich-haben-Faktor“ einmal ausser Acht lässt? Wahrscheinlich schon – wie gesagt, keine Linse für den Routine-Einsatz, aber doch ein Glas, das bei Landschaftsfotografie im ganz wörtlichen Sinn neue Perspektiven ermöglicht.


Copyright © 2009 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 15. November 2009, letzte Bearbeitung am 15. November 2009.


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