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Nikon – Das Spiegelreflex-System seit 1959

Die Objektive der Serie E

      Die E-Reihe war ein Versuch von Nikon, mit einer speziellen Objektivbaureihe über den Preis neue Kundenkreise zu erschliessen. Gedacht waren diese Objektive in erster Linie für die Verwendung mit und an einer Nikon EM, sie lassen sich aber an allen neueren (ab AI) Nikon-Gehäusen einsetzen.

      Technischer Hinweis: Alle E-Objektive ab dem Einführungsjahr 1979 haben den Anschluss, der „offiziell“ erst ab 1982 als AI-S-Kupplung bekannt wurde. Lassen Sie sich nicht irritieren, wenn Sie die als Erkennungszeichen der AI-S-Objektive bekannte orangefarbige Markierung der kleinsten Blende auf einem „E“-Objektiv nicht finden: Die frühen E-Objektive hatten diese nicht, sind aber trotzdem von der Bauart her AI-S-Objektive! (1)

      Insgesamt erschienen 8 verschiedene E-Objektive; die Weiterentwicklung dieser Reihe wurde danach eingestellt.

Series-E-Schriftzug

      Diese Objektive heissen übrigens nicht „Nikkor“, sie tragen die Bezeichnung „Nikon LENS SERIES E“. In der Bedienungsanleitung der EM heisst es entsprechend „Verwendbar sind Nikon Serie E Objektive, AI-Nikkor-Objektive und weitere Typen“.

      Folgende Modelle wurden gebaut (in der Reihenfolge ihres Erscheinens, Bauzeit von – bis):

E-Objektive
35 mm / 2.5 1979 – 1982
50 mm / 1.8 1979 – 1985
100 mm / 2.8 1979 – 1985
28 mm / 2.8 1980 – 1985
75 – 150 mm / 3.5 1980 – 1983
135 mm / 2.8 1981 – 1983
36 – 72 mm / 3.5 1982 – 1983
70 – 210 mm / 4.0 1982 – 1987

      Was ist nun das Besondere an diesen Objektiven, und wieso kostete z.B. 1982 in Deutschland das 135 mm/2.8 der Serie E DM 276,–, das „klassische“ Nikkor mit identischen Daten aber mit DM 504,– fast das Doppelte? (Preise jeweils ohne MWSt.)

      Nikon gab im „Verkaufsführer 1982“ unter der Überschrift „Nikon Serie-E contra Nikkor?“ selbst eine Antwort darauf; ein Auszug:
      „Der ganz normale Anwender, der im Jahr zwischen 1 und 10 36er-Filme belichtet, und das sind über 80% der fotografierenden Bevölkerung, braucht natürlich ein Objektiv, das auch hohe Ansprüche an die Qualität der Abbildung erfüllt, aber er braucht nicht die mechanische Robustheit, die für den Intensivanwender sinnvoll ist. Warum sollte er dann dafür bezahlen?“

      Dies sagt wenigstens schon einmal, wo bei diesen Objektiven gespart wurde: Nicht bei der Optik, sondern bei der Mechanik. Konkreter wurde Nikon in diesem Katalog nicht, aber in der Literatur findet man genauere Angaben:
      Die E-Objektive wurden nicht von Hand, sondern maschinell montiert. Einige Schrauben wurden durch Klebeverbindungen ersetzt, und es kam in verstärktem Mass Kunststoff zum Einsatz, z.B. bei den Linsenfassungen und dem Schneckengang. Die E-Objektive wurden jedoch auch bei Nikon und nicht in irgendeinem Billiglohn-Land gefertigt, sie besassen ebenfalls die erstklassigen Gläser aus Nikon-eigener Fertigung, und auf die aufwändige Mehrschichtenvergütung (NIC) wurde nur bei den Festbrennweiten 35, 50 und 100 mm verzichtet.

      Demnach hätten sich 80% aller Fotografen also geradezu auf diese Objektive stürzen müssen – optische Nikon-Qualität zum Sigma/Tamron-Preis. Was geschah stattdessen? Peter Braczko schreibt in seinem Buch „Nikon-Faszination“:
      „Fazit: Trotz guter Qualität wurde die E-Serie nicht den Ruf los, sie gehöre zur Objektivgruppe ‘zweiter Wahl‘. Es war nicht das erste Mal in der Kamerageschichte, dass ein gutes Konzept keine Gnade bei der Verbrauchermehrheit fand.“

      Offenbar möchte der typische Nikon-Kunde lieber mehr Geld ausgeben und dafür im Bewusstsein fotografieren, „Profi-Equipment“ zu benutzen …


Fussnoten:

  1. Gemäss Petersons „Nikon-Handbuch“. Braczko unterscheidet teilweise AI- und AI-S-Versionen!

Literatur:


Copyright © 1999 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 10. April 1999, letzte Bearbeitung am 10. April 1999.


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