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Nikon – Das Spiegelreflexsystem seit 1959

Nikon F2 – Die Legende lebt

      Siehe dazu auch „Nikon F2S Photomic“.

Kurze Geschichte der F2-Familie

Nikon F2-Katalog

      Auch, wenn ich ab jetzt bei allen Hardcore-Nikon-Sammlern als nicht mehr gesellschaftsfähig gelte: Für mich beginnt „Nikon“ eigentlich erst mit der F2. (Ergänzung Mai '99: Gut, dass ich „eigentlich“ geschrieben habe – natürlich musste ich meiner kleinen Sammlung noch eine „F“ hinzufügen …) Vielleicht hängt es damit zusammen, dass mit der F2 die AI-Technik eingeführt wurde (diese Objektive sind bis heute verwendbar), vielleicht damit, dass mit der F2 der grosse Durchbruch in Europa kam, vielleicht aber auch mit meinem ersten Besuch auf der Photokina, als ich, damals 20-jährig, kiloweise Prospekte von Nikon abschleppte und von der gerade neu eingeführten F2AS Photomic träumte – wie auch immer …

      Meine bisher einzige (aber sicher nicht letzte) F2 ist eine F2S Photomic, Baujahr 1974, nicht-AI – trotzdem ist es natürlich kein Problem, auch ein AF-D-Objektiv neuester Bauart an dieser Kamera zu benutzen. Man ist dabei auf Arbeitsblendenmessung beschränkt, aber die mechanische Kopplung funktioniert problemlos.

      Die Terminologie der F2-Familie wirkt auf den ersten Blick etwas unübersichtlich – da gibt es die F2A, F2AS, F2S, F2SB, … Wichtig ist, die diversen Sucher zu kennen und dabei die AI- von den nicht-AI-Systemen zu unterscheiden, dann wird es schon wesentlich einfacher.

      Die Geschichte begann mit der F2, die im Jahre 1971 vorgestellt wurde. Diese erste Nikon mit einer kürzesten Verschlusszeit von 1/2000 Sekunde gab es als Nikon F2 Eyelevel (Prismensucher DE-1, keine Belichtungsmessung) und als Nikon F2 Photomic mit dem Messsucher DP-1. Dieser verwendete die von der „F“ bekannte Technik mit Nadelanzeige.

      Zwei Jahre später, 1973, gab es dann den mit Leuchtdioden ausgestatteten Sucher DP-2, mit dem die Kamera als F2S oder F2S Photomic bezeichnet wird. Mit dem DP-2 konnte die einstellbare Belichtungszeit von 1 Sekunde auf 8 Sekunden gesteigert werden; neu war ausserdem ein Anschluss für die automatische Blendensteuerung DS-1 (später DS-2 mit Blitzlichtanschluss), mit der die F2S zum Blendenautomaten wurde.

      Im Jahr 1976 erschien der dritte Messsucher für die F2: der DP-3, mit dem die Kamera zur F2SB wurde. Die CdS-Zellen wurden hier durch Silicium-Fotodioden abgelöst – eine auch heute noch verwendete Technologie. Neu war am DP-3 ausserdem ein Okularverschluss.

      Der technologische „Quantensprung“ kam 1977, als die AI-Kupplung eingeführt wurde, welche die manuelle Lichtstärkeeingabe (den „schnellen Dreh“ am Blendenring) überflüssig machte. Mit der neuen AI-Technik gab es zwei Messsucher: den DP-11, der technisch bis auf die AI-Kupplung dem DP-1 entsprach, und den DP-12, die AI-Version des DP-3. Die F2 mit dem DP-11 heisst F2A, mit dem Belichtungsmesser-System DP-12 F2AS. (Die zusätzliche Bezeichnung Photomic wird meistens, aber in der Literatur nicht immer, verwendet.) Auch die automatische Blendensteuerung wurde, jetzt als DS-12, dem AI-System angepasst.

Sucher DP-2

      Kennzeichen der nicht-AI-Sucher ist das kleine Fenster oberhalb des „n“ von „Nikon“, in dem die Lichtstärke des Objektivs erscheint, sobald diese der Kamera „mitgeteilt“ wurde (Abb.: DP-2). Dazu diente die erwähnte Drehbewegung – der Blendenring wird einmal bis zur grössten und kleinsten Blende gedreht, damit der Mitnehmer einrastet.
      (Abb. Copyright © 1999 C. Ozdoba)

      Es gab drei Spezialversionen der F2:

      Gar nicht so schwierig, oder? Hier nun noch einmal die wichtigsten Daten in einer tabellarischen Übersicht:

Bezeichnung Suchersystem AI Baujahre Bemerkungen
Bezeichnungen (in Klammern) werden fakultativ verwendet
F2 (Eyelevel) DE-1 nein 1971 – 1980  
F2 Photomic DP-1 nein 1971 – 1977  
F2S (Photomic) DP-2 nein 1973 – 1976 Sucher mit Leuchtdioden
F2SB (Photomic) DP-3 nein 1976 – 1977 Silicium statt CdS-Zellen
F2A (Photomic) DP-11 ja 1977 – 1980 DP-11 ist AI-Version von DP-1
F2AS (Photomic) DP-12 ja 1977 – 1980 DP-12 ist AI-Version von DP-3

      Erst 1980, nach zehn Jahren, kam dann das Aus für diese unglaublich robuste und erfolgreiche Kamera – Nikon stellte die F3 vor, die als echter „Dauerbrenner“ zwanzig Jahre lang, auch noch nach Einführung der Nachfolgemodelle F4 und F5, im Programm blieb.

 

Seriennummer = Baujahr?

F2S Seriennummer

      Es ist eine weit verbreitete Ansicht, dass man aus den ersten zwei Ziffern der Seriennummer einer F2 (auch schon der „F“) das Baujahr erkennen könne. Meine F2S hat eine Seriennummer, die mit „74“ beginnt (s. Abb.), und das würde sehr gut passen. Ich wollte dieser Frage einmal auf den Grund gehen und habe in verschiedenen Standardwerken von ausgewiesenen Nikon-Kennern nachgeschlagen – das Ergebnis ist überraschend: Die Aussagen sind absolut widersprüchlich!
      (Abb. Copyright © 1999 C. Ozdoba)

      Schauen wir die Literatur (bibliographische Angaben s.u.) chronologisch durch. Braczko schreibt:

      „Was bei den letzten Typen der Nikon F begonnen wurde, setzte Nikon bei der F2 konsequent fort: eine neue Angabe des Produktionsjahres der Kamera. Zwischen Sucher und Filmrückspulkurbel markierte das Werk (beispielsweise) den Code: F2 7100035. F2 für die Kamerabezeichnung, 71 für das Produktionsjahr 1971, 00035 für die Seriennummer, in diesem Fall die Produktionsnummer eines der ersten vorgestellten F2-Gehäuse.“ (S. 163)

      Bei Hillebrand/Hauschild heisst es unter der fettgedruckten Überschrift „Die Seriennummer verrät das Produktionsjahr“ dann weiter:

      „Sammler wird interessieren, dass die beiden ersten Ziffern der Seriennummer das Produktionsjahr angeben. Doch dabei ist Vorsicht geboten, denn genau genommen wird damit nur das Produktionsjahr der Gehäuse-Oberkappe angegeben. Es ist also durchaus möglich, dass diese Kappe bei einer Reparatur einmal ausgetauscht wurde, und so beispielsweise eine F von 1965 eine Oberkappe mit der Anfangsnummer 73 erhalten hat.“ (S. 16)

      Peterson schreibt zur Nikon F:

      „Oft wird behauptet, die Seriennummer einer Nikon F enthielte ihr Herstellungsjahr. Das ist nicht richtig. Die ersten zwei Ziffern der Nummer entsprechen nicht direkt dem Herstellungsjahr. Die Nikon F kam 1959 auf den Markt, doch die früheste verzeichnete Seriennummer lautet 6400001. Die Seriennummer der letzten gebauten Nikon F begann mit ‘74‘; gebaut wurden diese Kameras jedoch tatsächlich nur bis Ende 1972.“ (S. 14)

      Zur F2 heisst es beim gleichen Autor:

      „Die Seriennummer oben links auf der Kamera wird oft als Anzeige des Baujahres gewertet. So wird eine Kamera mit der Seriennummer 7100001 als 71er-Gehäuse bezeichnet, und man setzt voraus, dass sie 1971 gebaut wurde. Dies ist ein Irrtum, doch es hilft, frühere Modelle mit Problemen zu identifizieren.“ (S. 21)

      Der „F-Pabst“ Uli Koch widmet sich diesem Thema sehr ausführlich; er schreibt u.a. zur F und F2:

      „Another point about serial numbers. Often, an attempt is made to determine the year of production of a Nikon F based on the serial number. This does not work.
      […]
      There are also overlaps with the bodies of the Nikon F2, as these started with the number # 7100001, being introduced in 1971.“
(S. 48–49)

      So weit die Experten – und was stimmt nun wirklich?
      Ehrlich gesagt: Ich weiss es nicht. Die bei Peterson erwähnte Diskrepanz zwischen dem Baubeginn der F im Jahre 1959 und der 64…-Seriennummer kann man erklären, wenn man Braczkos Aussage, dass dies erst „bei den letzten Typen der Nikon F begonnen wurde“, berücksichtigt. Dazu passt dann allerdings wieder die 72er-Nikon mit 74er-Seriennummer nicht. Die Tatsache, dass die von Braczko und Hillebrand/Hauschild als Fakt dargestellte Jahreszahl-Nummerierung von Peterson schlicht als falsch bezeichnet wird, ist damit nicht erklärt.

      Irgendwo auf dem Web habe ich kürzlich noch gelesen, die geraden Zahlen seien für Chromgehäuse, die ungeraden für schwarze Gehäuse verwendet worden, und demnach könne die Theorie mit den Jahreszahlen nicht stimmen, da Nikon wohl kaum jeweils ein Jahr lang nur schwarze bzw. Chrom-Gehäuse gebaut habe. Dies sei allerdings auch nur bis 1975 so gewesen, und ohnehin hätten alle Titan-F2 Seriennummern mit „92“ am Anfang gehabt. Literatur nannte dieser Autor nicht, aber die Verwirrung wird damit vollständig …

      Man ist wohl auf der sicheren Seite, wenn man sich von der Idee Seriennummer=Jahreszahl grundsätzlich verabschiedet und nicht versucht, mehr in eine Nummer hinein zu interpretieren, als sie tatsächlich aussagt.


Literatur:


Copyright © 1999–2008 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 13. Februar 1999, letzte Bearbeitung am 24. März 2008.


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