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Das Spiegelreflex-System seit 1959

Die Nikon FG und FG-20

Nikon FG (links) und FG-20 (rechts)

Kurze Übersicht zu Nikon FG und FG-20

      Die recht kompakte Nikon FG erschien in dem bei Nikon ereignisreichen Jahr 1982 – neben der legendären F3 und der mit dem Weltrekord von 1/4000 Sekunde glänzenden FM2. Im Gegensatz zu letzterer brachte aber die eher unauffällige FG eine Neuerung, die den intensiven Einsatz von Elektronik erforderlich machte:
      Sie war Nikons erste Kamera mit Programmautomatik.

      Über den Sinn einer Programmautomatik kann man streiten; ich benutze sie nie und halte die Tatsache, dass man sie abschalten kann, für die beste Eigenschaft daran.

      Nichtsdestoweniger markiert die Einführung der Programmautomatik einen wichtigen Schritt bei Nikon, da diese Neuerung, gerade fünf Jahre nach der Einführung des AI-Bajonetts, eine erneute Modifikation des Bajonetts und der Objektive mit sich brachte: Der AI-S-Anschluss war geboren, und alle seither vorgestellten Nikon-Objektive (auch die Autofokus-Nikkore) verfügen im Prinzip über diesen Anschluss. (Details auf der Seite „Nikon Objektiv-Terminologie“.)

      Ausser Programmautomatik stehen in der FG noch Zeitautomatik mit Blendenvorwahl und die manuelle Einstellung zur Verfügung. In der Nikon-Hierarchie ist die FG im damaligen Produktionsprogramm wohl als „Luxus-Version“ der EM mit deutlich erweiterten Möglichkeiten einzustufen; empfohlen wurden z.B. auch für die FG die Serie-E-Objektive.

      Zwei Jahre später, 1984, wurde die FG-20 vorgestellt. (Warum übrigens „20“? Das bleibt wohl, nach Durchsicht der Literatur, das Geheimnis von Nikon …) Eigentlich hätte man dieser Kamera auch eine ganz eigenständige Modellbezeichnung geben können: Sie hat ein anderes Gehäuse als die FG, und die Programmautomatik, das herausragendste Merkmal der FG, fiel bei der FG-20 dem Rotstift zum Opfer. Die FG-20 ist als eigentliche Nachfolgerin der EM anzusehen, deren Produktion im selben Jahr eingestellt wurde; sie bietet allerdings durch die manuelle Einstellung mehr fotografische Möglichkeiten.

 

Die Nikon FG im Detail

Nikon FG (Anleitung)
(Abb. aus Bedienungsanleitung Nikon FG, © Nippon Kogaku 1982)

      Anlässlich der Fachmesse PMA (Photo Marketing Association) in Las Vegas stellte Nikon 1982 die FG vor. Nikon brachte mit diesem Modell die erste Spiegelreflexkamera mit Programmautomatik heraus – der Markt der „Gelegenheitsknipser“, für den schon die Nikon EM konzipiert worden war, sollte nicht der Konkurrenz überlassen werden, die bereits ab den späten Siebzigern entsprechende Modelle anbot (Canon A-1, Minolta XD-7).

      Die FG war mit einer weitgehend linear arbeitenden Programmautomatik ausgestattet, die gleichzeitig Blende und Verschlusszeit bis zur maximalen Öffnung des angesetzten Objektiv veränderte (s. Abbildung); das sogenannte „High-Speed-Programm“, welches für Action-Fotografie und langbrennweitige Teleobjektive kurze Verschlusszeiten bevorzugt, kam erst mit der Nikon FA.

Nikon FG Programmautomatik
(Abb. aus Bedienungsanleitung Nikon FG, © Nippon Kogaku 1982)

      Die Automatik kann Blende und Verschlusszeit stufenlos steuern. Zusätzlich stehen Zeitautomatik und manuelle Belichtungseinstellung zur Verfügung; insbesondere letztere hob die FG damals deutlich (und positiv) von der für viele Fotografen doch etwas allzu automatischen EM ab. Wie die EM verfügt auch die FG über eine „Gegenlichttaste“ (in der Abbildung unterhalb der Rückspulkurbel an der Gehäuse-Vorderseite erkennbar), welche die Blende um zwei Stufen öffnet (in Programmautomatik werden Blende und Verschlusszeit jeweils um eine Stufe verändert).

Nikon FG Belichtungskorrektur
(© 2000 C. Ozdoba)

      Zwei weitere Änderungen gegenüber der Nikon EM machen aus der FG schon eine richtig „erwachsene“ Kamera: Sie besitzt eine Belichtungskorrektur um ± 2 Lichtwerte (s. Abb.), und Nikon hat ihr eine TTL-Blitzautomatik mitgegeben, speziell abgestimmt auf das mit der FG vorgestellte Blitzgerät SB-15.

      Der Sucher (mit nicht auswechselbarer Einstellscheibe vom Typ K) zeigt ca. 92% des Bildfeldes; er enthält eine senkrechte Leuchtdioden-Reihe für die Verschlusszeitenanzeige, Über- und Unterbelichtungswarnung sowie eine Blitzbereitschaftsanzeige.
      Die kürzeste Synchronisationszeit ist übrigens, gegenüber der EM unverändert, 1/90 Sekunde. Der Verschlusszeitenbereich reicht von 1 Sekunde bis zu 1/1000 Sekunde. Das (mittenbetonte) Messsystem der FG kann mit Filmempfindlichkeiten zwischen 12 und 3200 ASA umgehen. Ein bei Über- und Unterbelichtung aktiviertes akustisches Warnsystem lässt sich erfreulicherweise auch abschalten (was bei der EM nicht möglich war).

      Die FG lässt sich mit dem speziell dafür vorgestellten MD-14 oder mit dem MD-E der Nikon EM motorisieren; maximal sind (mit dem MD-14) 3,2 Bilder/s erreichbar. Bei Ansetzen eines Motors muss der kleine Handgriff an der rechten Gehäuse-Vorderfront abgenommen werden.
      Optional liess sich an die in schwarz oder Chrom gefertigte FG auch noch die Datenrückwand MF-15 montieren, die als kleinen „Gag“ noch einen eingebauten Wecker zu bieten hat.
      Mit 136x87x54 mm ist die 490 g schwere FG eine ausgesprochen handliche Kamera.

      Für Historiker und Sammler: Die FG wurde von 1983 bis 1989 gebaut. Die Seriennummern beginnen bei 8200001. Die FG ist heute sehr günstig zu bekommen; ich habe für meine FG mit dem „stilechten“ Serie E 36–72/3.5 Fr. 250,– bezahlt – bei ausgezeichnetem Zustand von Kamera und Objektiv; ich habe sogar noch die Original-Garantiekarten zu beiden!

 

Die Nikon FG-20 im Detail

Nikon FG-20 (Anleitung)
(Abb. aus Bedienungsanleitung Nikon FG-20, © Nippon Kogaku 1985)

      Die 1984 vorgestellte „ökonomische Schwester“ (Braczko) der FG hätte eigentlich, wie Hillebrand/Hauschild bemerken, EM-2 heissen müssen. Von der Ausstattung und gemessen an der Zielgruppe, für die sie gebaut war, kann man die FG-20 wirklich als die legitime Nachfolgerin der EM ansehen, deren Produktion dann auch mit Erscheinen der FG-20 eingestellt wurde.

Nikon FG (links) und FG-20 (rechts)
(© 2000 C. Ozdoba)
Nikon FG (unten) und FG-20 (oben)
(© 2000 C. Ozdoba)

      Auf den ersten Blick wirkt die FG-20 etwas filigraner als die FG, vielleicht wegen der rechts abgeschrägten Oberseite und des fehlenden angeschraubten Handgriffs (oben). Vergleicht man allerdings die Gehäuse direkt miteinander, stellt man fest, dass die Abmessungen praktisch identisch sind (links) – die FG-20 ist sogar noch einen Millimeter höher als die FG, allerdings 50 g leichter.
      Etwas störend in einem insgesamt gelungenen Design wirkt an der FG-20 lediglich die grosse Beschriftung Self Timer oberhalb des Selbstauslösers.
      Die FG-20 war, wie die FG, mit schwarzem Gehäuse oder in Chrom-Ausführung lieferbar.

      Insgesamt war die FG-20 eine recht deutlich „abgespeckte“ Variante der FG. Wie oben erwähnt, fehlte ihr die Programmautomatik, aber das war noch nicht Alles: Auf die TTL-Blitzsteuerung wurde ebenso verzichtet wie auf die Belichtungskorrektur; im Sucher gab es statt Leuchtdioden wieder die gute alte Nadelanzeige, und der Filmempfindlichkeits-Bereich begann erst bei 25 ASA (womit allerdings wohl die überwiegende Mehrzahl der FG-20-Benutzer keine Probleme gehabt haben dürfte). Die Datenrückwand MF-15 der FG ist an der FG-20 nicht verwendbar.

      Die guten Nachrichten: Es gab mit dem SB-19 wiederum ein speziell auf die Kamera abgestimmtes Blitzgerät, die Motoren MD-14 und MD-E konnten, wie an der FG, verwendet werden, und natürlich war das bewährte Bajonett für alle AI- (keine Programmautomatik!), AI-S- und Serie-E-Objektive bereit. Einstellscheibe und Verschlusszeiten unterscheiden sich nicht von der FG. Die Zeitautomatik bei Blendenvorwahl funktioniert in bekannter Weise, und auch die (abschaltbare) akustische Warnung der FG wurde bei der FG-20 beibehalten.

      Ein langes Leben war der FG-20 nicht beschieden: 1985 erschien mit der F-301 die erste motorisierte Nikon und zeigte, wie eine moderne kompakte Spiegelreflex-Kamera aussieht, und der Beginn der Autofokus-Ära mit der Vorstellung der F-501 besiegelte dann im Jahre 1986 das Schicksal der FG-20.

      Die FG-20 ist keine sehr teure Kamera; ich habe für meine (in absolutem Top-Zustand) DM 160,– bezahlt. Es ist allerdings gar nicht einfach, ein gut erhaltenes Exemplar zu finden, da die FG-20 eben nur ca. eineinhalb Jahre im Programm war. Sie ist sicher seltener als die EM, im Gebrauchswert aber deutlich höher einzuschätzen. Das gilt auch heute noch; ältere AI-S-Objektive sind in grosser Zahl auf dem Occasionsmarkt zu haben, und mit Zeitautomatik und manueller Einstellung hat man eigentlich Alles, was man braucht. Für einen Gelegenheits-Fotografen ist eine FG-20 meines Erachtens immer noch besser als eine der modernen Autofokus-Zoom-Kompakten, bei denen zwar vom Filmeinlegen bis zur Belichtungssteuerung Alles automatisiert ist, die aber bezüglich der verfügbaren Brennweiten und der Lichtstärke mit einer Spiegelreflex-Kamera einfach nicht mithalten können.


Literatur:


Copyright © 2000 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 1. Juni 2000, letzte Bearbeitung am 2. Juni 2000.


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