Logo der Nikon-Website

Das Spiegelreflex-System seit 1959

Die Nikon FM2

Nikon FM2
Meine FM2
Trümmelbachfälle

      Wahrscheinlich werden Sie, liebe Leser, sich jetzt fragen, was dieses Bild der Trümmelbachfälle im Berner Oberland – 10 Wasserfälle, die tief mitten in einem Berg liegen – mit der Nikon FM2 zu tun hat.
      Die Antwort ist einfach: Der Besuch eben dieser Wasserfälle gab den Ausschlag, die schon lange geplante Anschaffung einer rein mechanischen Kamera endlich zu realisieren.

      Feinste Wassernebel, Gischt überall, und mittendrin ich mit der F90, die Kamera mit aufgesetztem SB-25 immer unter dem Anorak haltend und hoffend, dass die Elektronik in dieser Feuchtigkeit nicht aussetzt – das ist keine ideale Situation.

      „Mechanik“ ist das Stichwort für die FM2 – kein Autofokus, keine Belichtungsautomatik, kein automatischer Filmeinzug oder motorisches Rückspulen, ein Selbstauslöser, bei dem ein sirrendes Geräusch den Ablauf eines Federwerkes erkennen lässt, und auf der Rückwand eine herrlich antiquierte Filmmerkklemme – mit DX-Codierung kann diese Kamera nichts anfangen. Es macht Spass, sich trotz der F5, F6 oder D3 im Fotorucksack hin und wieder einmal das Vergnügen des Fotografierens „von Hand“ zu gönnen. Interessant schon ein Vergleich des Umfangs der Bedienungsanleitungen: 166 Seiten bei der F5 (und 472 bei der D3!) stehen gerade einmal 50 Seiten bei der FM2 gegenüber! Der Werbespruch für den Kleinstwagen Smart, „Reduce to the Max“, lässt sich auch bei dieser Kamera anwenden – Fotografie pur, aber mit allem Wesentlichem (z.B. hat die FM2 natürlich die sonst bei Nikon den „Profi“-Modellen vorbehaltene Abblendtaste).

      Zusammen mit der F3 ist die FM2 (korrekter: FM2N) das am längsten gebaute Modell in der Nikon-Geschichte. Ich hatte eigentlich gedacht, dass diese Seite schnell geschrieben sei und dass es über diese Kamera eigentlich gar nicht Viel zu berichten geben würde, musste mich aber bei Durchsicht der Literatur eines Besseren belehren lassen.

      Tasächlich ist die Geschichte der FM2 nämlich sogar recht spannend. Während sie zuletzt oft (zu Unrecht) nur noch als mechanisches Backup oder als Kamera für unverbesserliche Elektronik- und Autofokus-Gegner galt (und sich trotzdem noch hervorragend verkaufte), war die FM2 bei ihrer Einführung ein echtes High-Tech-Instrument.

Seriennummer der FM2N

      Sensationell war damals die 1/4000 Sekunde als kürzeste Belichtungszeit – „damals“, das heisst 1982, und da war dieser Wert Weltrekord. Bereits 1983 erschien die FM2N. Das „N“ steht dabei, wie bei den Objektiven, für eine überarbeitete, also neue Version, wurde jedoch nie im „offiziellen“ Namen der Kamera (Gehäusebeschriftung, Bedienungsanleitung, Nikon-Verkaufskatalog etc.) verwendet. (Die Seriennummern der FM2N beginnen allerdings mit einem „N“, s. Abb. links.) Ich werde also im Folgenden auch nur von der FM2 sprechen und meine damit das seit 1983 gebaute Modell, sofern nicht ausdrücklich auf Unterschiede in den Versionen hingewiesen werden soll.

      Eine Bemerkung für Puristen: Anfänglich hatte ich auf dieser Seite die Schreibweise FM-2 gemäss dem offiziellen Nikon-Verkaufsprogramm benutzt; dort wird der Bindestrich verwendet. Ich habe dann allerdings die Schreibweise angepasst; FM2 steht z.B. auch auf der Bedienungsanleitung.

      In der Nikon-„Familiengeschichte“ war die FM2 die Nachfolgerin der FM, die wiederum 1977 die „Nikkormat“-Baureihe (mit der letzten Vertreterin FT3) abgelöst hatte. (1978 erschien als „elektronische Variante“ der FM die FE, die wiederum das Nachfolgemodell der EL2 war.) Die FM war ein grosser Erfolg: Sie läutete bei Nikon die Ära der kompakten Spiegelreflexkameras ein, konnte mit einem Motor ausgestattet werden und war bei Profis und Amateuren gleichermassen beliebt.

      Die FM2 überraschte bei ihrer Vorstellung 1982 mit der ultrakurzen Verschlusszeit von 1/4000 Sekunde – die FM hatte noch 1/1000 geboten, die F2 und die 1980 erschienene F3 1/2000. Fast noch wichtiger war die kürzeste Synchronzeit für Elektronenblitzgeräte: 1/200 Sekunde! Neu war gleichfalls der bei dieser Kamera – erstmals bei Nikon in Serie – eingebaute Titan-Lamellen-Verschluss, der überhaupt erst die ultrakurze Zeit ermöglichte. Die FM2 hatte ausserdem im Gegensatz zum Vorgängermodell austauschbare Mattscheiben. Eine weitere Änderung gegenüber der FM war der Einsatz von Silizium- statt Gallium-Arsenid-Photodioden für die Belichtungsmessung. Während sich bei der FM der AI-Blendenmitnehmer am Bajonett noch wegklappen liess, verzichtete Nikon bei der FM2 auf diese Vorrichtung; nicht-AI-Objektive sind damit an dieser Kamera nicht mehr verwendbar.
      Die elektronische Partnerin FE wurde 1983 gleichfalls zur FE2 mit dem „schnellen Verschluss“ und einer Blitzsynchronisationszeit von sogar 1/250 Sekunde. Diese Verbesserung wollte Nikon dem mechanischen Pendant FM2 nicht vorenthalten, und so entstand die FM2N.

Verschlusszeitenrad

      Bei den ersten FM2 war die Blitzsynchronisation, mit „X200“ bezeichnet, noch separat auf dem Einstellrad zu finden, und die Belichtungsmessung war bei dieser Einstellung abgeschaltet. Alle seit 1983 gebauten FM2 (also FM2N) haben eine 1/250 Sekunde als kürzeste Blitzsynchronisationszeit. Diese Zeit ist auf dem Verschlusszeitenrad normal eingeordnet; die Belichtungsmessung funktionierte nun auch beim Blitzen.

      Im Zuge der Modellpflege wurde die FM2 ab Oktober 1989 nicht mehr mit dem Titan-Verschluss, sondern mit den Aluminium-Verschlusslamellen der F-801 ausgestattet, die sich dort bei Verschlusszeiten bis zu 1/8000 Sekunde bewährt hatten.

Anzeige für die FM2/T

      Im Jahr 1994 erschien eine Titan-Version der FM2, auf dem Kameragehäuse mit FM2/T bezeichnet. Oberkappe, Rückwand und Bodenplatte bestehen bei diesem Modell aus Titan, technisch ist sie gegenüber der „normalen“ FM2 unverändert. Während sich die in einer Auflage von 20'000 Stück hergestellte FM2/T anfangs nur schleppend verkaufte (wohl nicht zuletzt wegen des Preises von ca. Fr. 1'900,–), konnte Nikon nach gewissen Preiskorrekturen sämtliche Exemplare absetzen. Auf dem Gebrauchtmarkt wird die Titan-Version relativ selten angeboten.
(Abb.: Ausschnitt aus einer Anzeige in den Nikon-News 4/93, Copyright © Nikon AG)

      Eine der seltensten Nikon-Kameras überhaupt (allerdings wohl ein reines Sammlerstück für die Vitrine) ist die zum chinesischen „Jahr des Hundes“ 1994 in einer Serie von 300 Exemplaren aufgelegte „FM2/T Year of the Dog“. Sie war und ist die bisher einzige Nikon-Kamera, bei der eine Produktionszahl auf der Schachtel vermerkt ist.
      Zum Jahr 2000 erschien, in der angemessenen Auflage von 2000 Stück, die „Year of the Dragon“-Version, da das Jahr 2000 das chinesische Jahr des Drachens war. (Der Drache symbolisiert Glück und Wohlstand.) Die Kamera hat ein anderes Finish als die normale Chrom-Version und sieht fast wie eine Titan-FM2 aus. Abbildungen dieser Kameras finden Sie auf der Website Cameraquest; folgen Sie diesen Links zu den Versionen „→ Year of the Dog“ und „→ Year of the Dragon“.

      Die FM2 war zuletzt in zwei Versionen lieferbar: chrom und schwarz. Sie konnte mit dem Motor MD-12 oder der Datenrückwand MF-16 ausgestattet werden – obwohl der Motor zweifellos ein nützliches Utensil ist, verdirbt er meiner Meinung nach den Charakter der Kamera, und die LCD-bestückte Rückwand wirkt m.E. an diesem feinen Mechanik-Gerät völlig deplatziert.

      In der ersten Version dieser Seite schrieb ich „Änderungen sind eigentlich nicht mehr zu erwarten – ich gebrauche zwar ein Wort wie ‘perfekt‘ nur mit äusserster Vorsicht, aber es ist wirklich Nichts vorstellbar, was man an dieser Kamera noch ändern könnte oder müsste, will man ihren Charakter als Vollmechanik-Instrument unangetastet lassen.“
      Eine Änderung der FM2 gab es wirklich nicht mehr, stattdessen ein neues Modell, die FM3A. Ich pflege meine FM2 jedenfalls sorgfältig, und sie gehört zu den Kameras, von denen ich mich sicher nie trennen werde.


Literatur:


Copyright © 1999–2008 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 27. Februar 1999, letzte Bearbeitung am 24. März 2008.


Zurück zur Sektion Kameras / zur Startseite.


Adresse dieser Seite: http://www.ozdoba.net/nikon/slr/nikon_fm2.html

Durch das World Wide Web Consortium validierter Code gemäss dem Standard XHTML 1.0 Strict   Erstellt mit einem Mac