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Das Spiegelreflex-System seit 1959

Die Nikon FM3A

 
Originaltext, Stand 9. Februar 2001:
 

Katalog FM3A FM3A
(Alle Abbildungen auf dieser Seite Copyright © Nikon AG)

      Mit dieser Kamera, die auf der PMA 2001 offiziell vorgestellt wird (ich schreibe dies zu einem Zeitpunkt, zu dem es den hier abgebildeten Katalog eigentlich noch gar nicht gibt …), hat Nikon bei den in letzter Zeit etwas enttäuschten Fans wieder einigen Boden gut gemacht.

      Nach der F65 (na ja), spätestens aber mit der Vorstellung des unsäglichen „Consumer-Zooms“ 70–300 der G-Serie ohne Blendenring auf der Photokina 2000, hatte sich mancher gefragt, ob bei Nikon jetzt mit Ausnahme der unbestreitbar in die Oberliga gehörenden Modelle F100 und F5 wirklich nur noch der „Knipser-Markt“ bedient werden sollte.

      Die FM3A zeigt erfreulicherweise, dass man in Ohi noch Kameras bauen kann.

      Ehe wir uns mit der Ausstattung der FM3A beschäftigen, lassen Sie uns kurz versuchen, diese Kamera in der Nikon Modell-Palette und -Hierarchie einzuordnen:
      Sie wird unmittelbar nach Produktionseinstellung der F3 vorgestellt – ist die FM3A die neue F3? Sicher nicht. Ihr fehlen wesentliche Merkmale der Nikon-„Profiklasse“ wie z.B. 100% Suchergesichtsfeld, Wechselsucher, Spiegel-Vorauslösung.
      Ist sie wirklich eine „richtige“ FM? Die Frage ist berechtigt: Der Blick durch den Sucher erinnert eher an eine FE2 als an eine FM2 (was nicht zum Nachteil der FM3A ist …). Der in der FM3A eingebaute Hybridverschluss (s.u.) lässt sie als Nachfahre beider Modelle erscheinen.

      Über eine FM3 wurde seit längerem spekuliert; der Chronist gesteht, substanzielle Gerüchte dazu schon vor fast zwei Jahren gehört zu haben. Die Rede war von einer FM2 mit TTL-Messung, Nikon liess es aber dabei nicht bewenden.

      Was bietet also diese FM3A?
      Interessant für den Nikon-Freund ist schon ein erster Blick in den Katalog: Obwohl die Kamera AF-Objektive verwenden kann, sehen wir sie ausschliesslich mit AI-/AI-S-Objektiven mit „Hasenohren“ abgebildet. Fast alle manuell zu fokussierenden Objektive sind an der FM3A einsetzbar, also die überwiegende Mehrzahl aller seit 1977 gebauten Objektive!

      Schön, dass Nikon sich doch wieder an die in letzter Zeit zunehmend (zu Recht) hinterfragte, einst legendäre Kompatibilität des F-Bajonetts erinnert hat!
      (Nein, der Blendenmitnehmer ist nicht umklappbar – nicht-AI-Objektive, also die zwischen 1959 und 1977 gebauten Modelle, sind damit nicht anschliessbar. Andererseits: Brauchen Sie die wirklich?)

FM3A in Chrom und Schwarz

      Die wichtigste Neuerung im Metallgehäuse der in Chrom und Schwarz erhältlichen FM3A sind die Belichtungs- und die Verschluss-Steuerung:
      Die Zeiten des vertikal ablaufenden Aluminium-Verschlusses werden bei manueller Belichtungsmessung rein mechanisch, bei Zeitautomatik dagegen elektronisch gesteuert („Hybrid-Verschluss“). Dies funktioniert in beiden Modi bis zur kürzesten Belichtungszeit von 1/4000 Sekunde! Die längste Zeit ist im manuellen Modus 1 Sekunde, in Zeitautomatik wird eine Belichtungszeit bis zu 8 Sekunden stufenlos eingesteuert. Die kürzeste Synchronzeit ist 1/250 Sekunde.

Sucher der FM3A

      Über Spotmessung verfügt die FM3A leider nicht; sie misst mittenbetont in einem im Sucher hervorgehobenen 12 mm-Kreis mit einer Gewichtung von 60:40.

      Der Sucher zeigt die Verschlusszeit (mit einer Messnadel), die Arbeitsblende, eine allfällige Belichtungskorrektur (± 2 LW in Drittelstufen) und die Blitzbereitschaft.

Einstellscheiben der FM3A

      Als Standard hat die FM3A die Universalscheibe K3 (links) mit Schnittbildindikator und Mikroprismenring. Diese kann gegen die Fresnel-Scheibe E3 mit Gitternetz (Mitte) oder die Fresnel-Scheibe B3 mit Feinmattfleck (rechts) ausgetauscht werden.

      Was gibt es sonst? Gute Nachrichten: Die Daten-Rückwand MF-16 und den Motor MD-12 Ihrer FE2 oder FM2 können Sie auch an der FM3A verwenden! Einige weitere technische Daten in Kurzfassung:

Fazit:

      So weit man eine Kamera, die man noch nie in der Hand hatte, nur nach der „Papierform“ beurteilen kann: Die FM3A wird ein Renner. Wer Autofokus nicht braucht, Fingernagel-mordende „Mäuseklaviere“ hasst und sich nicht für jede fotografische Aufgabe durch drei Menü-Ebenen eines LCD-Displays durcharbeiten will, kurz gesagt, wer noch Freude am „richtigen“ Fotografieren hat, wird an dieser Kamera nicht vorbei kommen. Dass diese Fotografin oder dieser Fotograf sich auf dem Gebraucht-Markt mit zunehmend billiger werdenden MF-Spitzen-Optiken eindecken kann, erhöht das Vergnügen noch.
      Im Nikon-Programm kann man sie am ehesten mit der FE2 und/oder FM2N vergleichen. Suche ich in meiner bescheidenen Kamera-Sammlung, kommt mir als Erstes die Leica R7 in den Sinn. Die R7 hat zwar ausschliesslich elektronisch gesteuerte Zeiten, diese auch nur bis 1/2000, bietet dafür aber Spotmessung, eine im Handling noch etwas eleganter gelöste Messwert-Speicherung und die Möglichkeit der Spiegel-Vorauslösung (über Drahtauslöser). Der Haken dabei: Eine gut erhaltene gebrauchte R7 ist immer noch (knapp) teurer als eine FM3A, und bei einer Mindest-Ausstattung von drei oder vier Objektiven ergibt sich schnell eine beachtliche Preisdifferenz.
      Der empfohlene Verkaufspreis liegt in Deutschland bei DM 1'649,– für die Chrom-Version und DM 1'749,– für die FM3A mit schwarzem Gehäuse. Ich hatte nicht erwartet, dass der Abstand zum Vorgänger-Modell so gross wird; die FM2 ist am 9.2.01 z.B. in der Preisliste eines deutschen Versandhändlers in chrom oder schwarz mit jeweils DM 1'149,– aufgeführt.
      Ich halte den Preis für grenzwertig hoch, der Strassenpreis wird sich allerdings wohl um/unter DM 1'500,– einpendeln. Ich hoffe nur, dass diese hervorragende Kamera nicht wieder durch die Set-Angebote mancher Händler, also der Kombination mit einem 28–200 „Superzoom“, verdorben wird. Wer das Fotografieren „von Hand“ (wieder) entdecken will, macht mit der FM3A, stilecht mit manuell zu fokussierenden Festbrennweiten, sicher keinen Fehler.


 
Aktualisierung Dezember 2008:
 

      Fast acht Jahre lang habe ich die FM3A aus den Augen verloren, aber auch nicht weiter danach gesucht. Viel ist in dieser Zeit passiert: Ich hatte, wie Sie dem Text oben entnehmen können, schon mit dem Aufbau meiner Leica-Ausrüstung begonnen, und seit der Jahrtausendwende begann der unaufhaltsame Siegeszug der Digitalfotografie; im selben Jahr, in dem die FM3A vorgestellt wurde, erschien auch die D1X.

      Im Sommer 2008 begegnete mir dann eine FM3A in der Occasionen-Vitrine meines Stammhändlers, schwarz, in perfektem Zustand. Ich konnte nicht widerstehen – jetzt musste ich sie haben.

FM3A
FM3A
Trotz Elektronik immer noch sehr aufgeräumt und ohne „Schnickschnack“: Meine FM3A
Anleitung zur FM3A
Die Bedienelemente der FM3A
(Abb. aus der Bedienungsanleitung; Copyright © Nikon AG)

      Man trifft sie nur selten auf dem Gebrauchtmarkt an; ich weiss auch nicht, ob die Kamera ein grosser Verkaufserfolg war. Kam sie zu spät? Im Gegenteil, sagte mir ein Kenner der Szene – sie kam fünf Jahre zu früh! Seine Meinung: Würde Nikon heute, im Digital-Zeitalter, eine solche Kamera herausbringen, könnte sie die Analog-Fotografie wieder beleben. Ein interessanter Standpunkt …


Literatur:


Copyright © 2001–2009 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 9. Februar 2001, letzte Bearbeitung am 21. Februar 2009.


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