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Das Spiegelreflex-System seit 1959

Die Nikkormat-Familie

Schnittmodell Nikkormat FTN

      Die Nikkormat war in den sechziger Jahren das, was heute eine D700 im Verhältnis zur D3 ist: Die preiswerte Variante zum Top-Modell Nikon F als kostengünstiger Einstieg in das Nikon-Spiegelreflex-System oder als Zweitgehäuse für den Profi.
      Nikon ist längst wieder davon abgekommen, die „Nicht-Profi”-Baureihe mit einem eigenen Namen zu versehen; die Nikkormat knüpfte in dieser Hinsicht noch an ihre Vorgängerin, die unglückliche Nikkorex, an. Erst beim allerletzten Modell, der Nikon EL2 (die ich aus Gründen, die sich Ihnen beim Durchlesen dieser Seite zwanglos erschliessen werden, mit zur Nikkormat-Familie rechne), wurde der Name Nikon verwendet.
 
Abb: Schnittmodell Nikkormat FTN
(Copyright © Nikon AG)

      Sie finden übrigens Nikkormat-Kameras auch mit der Bezeichnung Nikomat. Technisch sind sie bis auf die letzte Schraube identisch; die Unterschiede liegen wirklich nur im Namensschild. (Wenn Sie wissen möchten, wie ein bestimmtes Nikkormat-Modell als „Nikomat“ aussieht: → Hier finden Sie eine Übersicht.) Die Bezeichnung Nikomat finden wir zum Einen auf den Kameras für den japanischen Binnenmarkt (was noch relativ bekannt ist), zum Anderen in einem gewissen Zeitraum auf den Modellen für den US-Markt (was in Europa kaum bekannt ist). Zeiss-Ikon hatte gegen den Namen Nikkormat Einspruch erhoben, da er nach Ansicht der Firma mit dem für ein Zeiss-Modell verwendeten Kamera-Namen Ikkormat verwechselt werden konnte. (1)

      Über dieses Stück aus meiner Nikon-Literatur-Sammlung freue ich mich entsprechend ganz besonders, da man es nur sehr selten einmal angeboten bekommt:

Nikomat USA Katalog (Titel) Nikomat USA Katalog
USA-Katalog zur Nikomat FTN; Code ZAOF17002-06(E). Kennt von meinen Lesern Jemand das Erscheinungsjahr?

      Meine Kamera-Sammlung habe ich zwar deutlich reduziert, aber einem (in Europa nie regulär verkauften) Nikomat-Gehäuse konnte ich bei einer Fotobörse nicht widerstehen:

Nikomat USA Katalog (Titel)
Nikomat FT2
Nikomat FT2: Filmempfindlichkeits-Einstellung Nikomat FT2: Batteriefachdeckel
Links: Wie die Verschlusszeit wird auch die Filmempfindlichkeit an einem umlaufenden Ring eingestellt.
Rechts: Der Deckel des Batteriefachs trägt innen die Inschrift „for FT2“ (das gibt es entsprechend auch bei der späteren FT3).

      Soviel zur Nomenklatur; was genau erwarb der Kunde nun mit einer Nikkormat? Um Missverständnissen vorzubeugen: Die Nikkormat-Kameras waren nicht etwa „zweite Wahl“; auch der engagierte Amateur, der sich „nur“ eine Nikkormat leistete, hatte damit ein Spitzenprodukt erworben, das in der technischen Ausstattung und in der Verarbeitungsqualität dem Hause Nikon alle Ehre machte.

      Selbstverständlich konnten an alle Nikkormat-Modelle sämtliche Nikon-Objektive und praktisch sämtliches Zubehör (Blitzgeräte, Balgengerät etc.) angeschlossen werden, verzichtet hatte man lediglich auf die als professionell geltenden Wechselsucher und austauschbaren Einstellscheiben. Die frühen Nikkormat-Modelle besassen aus der gleichen Überlegung heraus auch keinen Motor- bzw. Winder-Anschluss; dieser wurde erst später, bereits in der Elektronik-Ära, mit der Nikkormat ELW eingeführt.

      Die Chronik der Nikkormat-Familie beginnt im Jahr 1965 mit der bis 1967 gebauten Nikkormat FT. (Der Name Nikkorette war auch diskutiert worden – heute würde er irgendwie merkwürdig klingen, aber damals dachte noch niemand an Nikotin-Kaugummi. Zum Glück wurde dieser Name dann doch nicht gewählt …) Ich weiss nicht, ob die Designer den Auftrag bekommen hatten, die Kamera auch äusserlich deutlich von der „F“ abzuheben; falls dem so war, ist es ihnen gelungen: Bei der Nikkormat muss man umlernen!

Nikkormat Abblendtaste Nikkormat von oben
Nikkormat Abblendtaste

      Die Taste, die man spontan zunächst vielleicht für den Auslöser hält, ist die Abblendtaste, die hier auf die Oberseite der Kamera verlegt wurde (Abb. oben links).

      Schauen Sie nun einmal von oben auf die Kamera (Abb. oben rechts): Fehlt da nicht etwas? Wo ist das Verschlusszeitenrad?

      Hier liess sich Nikon eine ganz neue Lösung einfallen, die teilweise begeisterte Anhänger fand: Das Verschlusszeitenrad läuft um das Objektivbajonett herum (Abb. unten)! Eine zugegebenermassen eigenwillige Lösung, aber durchaus handhabbar, wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat.
 
(Alle Abb. aus dem Katalog zur Nikkormat FTN, Copyright © Nippon Kogaku, Tokyo 1970)

Nikkormat Verschlusszeitenring

      Die Zeiten zwischen 1/250 und 1/1000 sind rot markiert; in diesem Bereich lassen sich auch Zwischenwerte einstellen. Alle anderen Merkmale dieser Kamera sind Nikon-typisch durchdacht: Die Abblendtaste wurde bereits angesprochen, es gibt einen Spiegelfeststeller, der eingebaute Selbstauslöser klappt automatisch den Spiegel hoch, und die Blitz-Synchronisationszeit von 1/125 Sekunde war 1965 durchaus noch nicht selbstverständlich.
 
(Abb. © C. Ozdoba 1999)

      Die Belichtungsmessung erfolgte über zwei Cadmiumsulfid (CdS)-Zellen, die eine 1,35-V-Batterie als Stromquelle benötigten (s.u.); eine besondere Betonung der Messcharakteristik (Mitte/Rand-Gewichtung) gab es nicht. Als Belichtungsanzeige im Sucher diente eine Nadel, die sich innerhalb einer Klammer hin und her bewegte und in die Mittellage gebracht werden musste. Eine gute Idee war es, die gleiche Anzeige oben auf dem Kameragehäuse noch einmal darzustellen; dies erleichtert die Arbeit z.B. bei Makroaufnahmen.

      Einen wichtigen Unterschied zur „F“ muss man noch erwähnen (auch darin ist sich Nikon im Unterschied zwischen den Profi-Modellen und den Amateur-Kameras treu geblieben): Der Sucher zeigt nicht, wie bei der F, 100%, sondern nur ca. 92% des Bildinhaltes. Wechselbare Einstellscheiben gab es, wie gesagt, nicht; die FT-Einstellscheibe bot eine Fresnellinse mit einem Mikroprismenfeld im Zentrum.

      Ebenfalls von 1965 bis 1967 gab es noch eine „abgespeckte“ Version der FT, die Nikkormat FS. Als seltenstes aller Nikkormat-Modelle ist diese Kamera vielleicht für Sammler interessant, für den Fotografen weniger: Braczko weist zu Recht darauf hin, dass der alte Spruch Weniger ist mehr bei diesem Kameramodell sicher nicht gilt. Die FS besitzt keinen eingebauten Belichtungsmesser, so dass die Belichtungskontrolle oben auf dem Kameragehäuse (und natürlich im Sucher), die ASA-Skala und der Blendenmitnehmer fehlen. Ausserdem sparte Nikon bei der FS auch noch den Spiegelfeststeller ein.

      Im Jahr 1967 erschien dann die wohl erfolgreichste Nikkormat, das verbesserte Modell Nikkormat FTN. Die Nadel im Sucher bewegt sich nicht mehr einfach zwischen zwei undefinierten Grenzen, sondern zwischen einem klar bezeichneten „+“ und einem „-“. Am unteren Bildrand des Suchers erscheinen drei Belichtungszeiten: In der Mitte die derzeit eingestellte Zeit, rechts und links davon die jeweils nächsten Zeitwerte nach oben und unten.

      Im Jahr 1972 erschien mit der Nikkormat EL Nikons erste elektronische Kamera. Gleichfalls erstmals bei Nikon: Die Kamerarückwand konnte durch Hochziehen des Rückspulknopfes geöffnet werden.
      Mit der 1975 vorgestellten Nikkormat FT2 kamen ein ISO-Blitzkontakt auf dem Sucherprisma und eine „+/-“-Anzeige auch auf dem Belichtungsfenster auf der Gehäuseoberseite. Der Hebel zur Einstellung der Filmempfindlichkeit war jetzt arretierbar. „FT2“ findet sich auch vor der Seriennummer, so dass die Zuordnung dieser Kamera keine Probleme bereitet.

      Im Jahr 1976 erschien die Nikkormat ELW, wobei das W (für Winder) die wichtigste Änderung zum Vorgängermodell EL signalisiert: An die nur in Schwarz lieferbare ELW konnte der Motor AW-1 angeschlossen werden, der eine Aufnahmefrequenz von bis zu 2 Bildern/s erlaubte.

      Mit dem 1977 eingeführten AI-Bajonett kam auch eine entsprechende Anpassung der Nikkormat-Modelle: Aus der mechanischen FT2 wurde im AI-Zeitalter die Nikkormat FT3, aus der Nikkormat EL die Nikon EL2. (Sie verstehen jetzt sicher, warum ich trotz der Bezeichnung Nikon die EL2 als letztes Nikkormat-Modell bezeichne.) Der Mitnehmerzinken für die Blendenkupplung entfiel, nicht-AI-Nikkore konnten (bei Arbeitsblendenmessung) allerdings weiter verwendet werden.

      Die FT3 wurde nur 1977, die EL2 1977–1978 gebaut. Die Nachfolger waren 1977 die (mechanische) FM und 1978 die (elektronische) FE.

Niko Niko meint zu den Nikkormat-Kameras:

      Die Modelle FT, FTN und FT2 benötigen 1,35-V-Quecksilber-Batterien. Die Probleme mit der Beschaffung eines adäquaten Ersatzes für diese heute nicht mehr erhältlichen Batterien sind bekannt: Hörgeräte-Batterien verlieren zu schnell die Spanunng, und über die oft empfohlene Wein Cell MRB 625 liest man sehr unterschiedliche Erfahrungsberichte in Fotografie-Foren. Es gibt eine interessante → Seite zu diesem Thema speziell für Nikon-Fotografen auf dem Web, die Sie sich einmal ansehen sollten.


Fussnoten:

  1. Zeiss hatte in den sechziger Jahren auch in Deutschland einen Namensstreit mit Nikon.

Literatur:


Copyright © 1999–2009 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 22. Mai 1999, letzte Bearbeitung am 1. November 2009.


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