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Nikon-Messsucherkameras („Rangefinder“) 1948–1965

Nikon I

Produktionsgeschichte

Nikon I, M und S
Sehen Sie die Unterschiede? Nein? Verständlich: Es gibt (fast) keine!
(Abb. aus „Nikon Verkaufsprogramm 1996–1998“, © Nikon 1996)

      Die drei ersten „Nikon“-Kameras sehen sich so ähnlich, dass man sie leicht verwechseln kann, und das ist begreiflich: Alle drei Modelle entstammen derselben Produktionsreihe (6FB), und alle drei Kameras haben dieselbe Frontplatte. Bei genauerem Hinsehen sind jedoch Unterschiede durchaus erkennbar; wenigstens die Nikon I ist dabei noch relativ leicht zu identifizieren.

      Die Produktion der ersten Kamera mit dem Namen Nikon begann, wie an anderer Stelle beschrieben, mit einer „Nullserie“ von 20 Exemplaren gemäss dem Produktionsauftrag 6FT-1. Diese wurden im September 1946 fertiggestellt, und aus diesem Datum – 9/46 nach unserer Schreibweise, 46/09 oder kurz 6/09 im Japanischen – ergab sich die Seriennummer dieser Kameras: 6091 bis 60920.

      Diese Kamera hiess bei ihrer Vorstellung schlicht „Nikon“. In der Literatur herrscht weitgehende Einigkeit darüber, dass erst nach dem Erscheinen des zweiten Modells, der Nikon M, die Vorgängerversion zur besseren Unterscheidung als „Nikon I“ (lies: Nikon eins) bezeichnet wurde. Braczko (Nikon Faszination) definiert allerdings die „I“ nicht als „1“, sondern als grosses „i“ für ”Industrie“, da dies die erste in Serie gefertigte Kamera war, während z.B. Prototypen mit dem Leica-Schraubanschluss den internen Seriennamen ”L“ hatten.

      Von der Serien-I wurden unter den Produktionsauftrags-Nummern 6FB-1 und 6FB-2 zwischen März 1948 und April 1949 insgesamt 738 Stück gebaut. Nach Werksunterlagen (Details bei Rotoloni) wurden 90 davon nie ausgeliefert, weitere ca. 230 wurden zur Nikon M umgebaut. Dies bedeutet, dass effektiv nur knapp 420 Nikon I existieren können!

 

Technik

      Die „I“ wird gerne als Beispiel dafür genannt, dass „die Japaner ja doch nur kopiert haben“. In der Einführung haben Sie Einiges über die engen Beziehungen der aufstrebenden japanischen zur damals weltweit führenden deutschen optischen Industrie gelesen, und natürlich hat man sich auch damals bei Nippon Kogaku an den grossen Vorbildern orientiert. Man muss dieses Thema allerdings etwas differenzierter betrachten; es war keineswegs so, dass etwa quasi 1:1 „abgekupfert“ wurde. Die Nikon-Entwickler fanden auch bei den deutschen Spitzenkameras kein Modell, das ihren Idealvorstellungen entsprach, und übernahmen dementsprechend für ihre eigene Kamera nur solche Konzepte, die sie für bewährt und zuverlässig hielten. Die dann nach ihren Vorstellungen wirklich optimale Kamera enthielt zwar konstruktive Elemente anderer Hersteller, war aber von Anfang an ein eigenständiges Produkt.

      Äusserlich gleicht die „I“ sehr stark der damaligen Contax II von Zeiss: Die abgeschrägten Ecken, die abziehbare Rückwand, das Verschlusszeitenrad auf der Oberseite, die Frontplatte und der Bajonettanschluss verliehen der „I“ einen ziemlich deutlichen „Contax-Look“. Technisch dagegen orientierte man sich an dem anderen grossen Namen: Der horizontal ablaufende Tuchverschluss und der Sucher-Mechanismus waren eindeutig von Leica beeinflusst. Der Contax-Verschluss war zweifellos technisch exzellent, aber aufwendig und teuer in der Fertigung, und hier zeigte sich bereits das, was die Nikon-Kameras seither auszeichnet: Einer einfachen, aber belastbaren und alltaugstauglichen Konstruktion wird im Zweifel der Vorzug vor einer komplizierteren und damit störanfälligeren Variante gegeben. Profis, die mit Nikon-Kameras unter z.T. widrigsten äusseren Bedingungen arbeiten, wissen diese Philosophie bis heute zu schätzen.

      Trocken und technisch fällt die „I“ in die Kategorie 24x32-mm- Messsucherkamera mit Entfernungsmesser. Damit kommen wir bereits zum ersten Charakteristikum der „I“, das sie von allen seither gebauten Nikon-Kameras unterscheidet: dem Filmformat. Nippon Kogaku versuchte, mit dem Format 24x32 mm statt der üblichen 24x36 mm eine bessere Papierausnutzung im Labor zu erzielen, zudem konnten auf einem „36er“-Film 40 Aufnahmen gemacht werden. Die Entscheidung für dieses Format sollte sich allerdings als grosse Hürde erweisen, die einem Markterfolg der „I“ entscheidend im Wege stand: Da die 24x32 mm grossen Negative nicht in Kodak-Diarähmchen passten, wurde der Export der Kamera in die USA von den Besatzungsbehörden in Japan schlicht untersagt.

      Die „I“ war technisch ansonsten von Anfang an in der Oberklasse der Messsucherkameras angesiedelt: Der Mischbildentfernungsmesser war in das Sucherokular integriert, so dass die Festlegung des Bildausschnitts und die Scharfstellung in einem Sucherfenster erfolgten, das Innenbajonett wurde über ein (Zeigefinger-verschleissendes) Entfernungsrad an der Kamera-Vorderseite gesteuert. Zwei übereinander auf derselben Welle liegende Einstellräder steuerten die Verschlusszeiten, wobei das untere Rad für die langen Zeiten (1, 2, 4 und 8 Sekunden), das obere für die kurzen Zeiten (1/20 bis 1/500 Sekunde) benutzt wurde. Diese Zeitenskala war übrigens noch nicht nach der heutigen Folge geeicht, sondern verwendete noch die „alte“ Zahlenfolge (20 - 30 - 40 - 60 - 100 - 200 - 500). Zusätzlich gab es auf dem unteren Rad noch die Stellung „T“ für Langzeitbelichtungen.

      Der Filmtransport erfolgte über einen Drehknopf, der Schnellspannhebel war damals noch Zukunft. (Er wurde erst 1954 mit der S2 eingeführt, die damals die erste japanische Kamera mit diesem Ausstattungsdetail war.) Die Kamera wurde entweder mit einem 50/2.0- oder 50/3.5-Nikkor ausgeliefert; diese Objektive waren versenkbar und konnten so weit zusammengeschoben werden, dass sie fast die Filmebene in der Kamera erreichten. Im Englischen tragen sie die Bezeichnung Collapsible Nikkor. Alle Gehäuse und Objektive der „I“ haben die Gravur MIOJ (Made in Occupied Japan).

 

Sammlermarkt

      Die „I“ war die erste Nikon überhaupt, was sie für Sammler sehr interessant macht, und sie wurde in einer sehr geringen Stückzahl gebaut, was die Chance auf ein Schnäppchen bei der lokalen Fotobörse auch nicht gerade erhöht. Kurz gesagt: Das Vergnügen, eine „I“ zu besitzen, muss man sehr teuer bezahlen.

      Mit dem aufkommenden Interesse an alten Kameras haben kapitalkräftige Sammler, vor Allem aus Japan und den USA, in den letzten zehn Jahren den Preis für eine „I“ in astronomische Höhen getrieben: Während Comon und Evans in ihrem 1990 erschienenen Buch Nikon Data den Preis für eine „I“ noch mit $ 3'000,– für den Zustand excellent und $ 4'000,– in mint condition, also fabrikneuem Zustand, angeben, sind gut erhaltene Exemplare heute nicht mehr unter $ 30'000,– zu bekommen. Dieser Preis gilt natürlich nur für die Serienmodelle mit den Nummern 60921 bis 609759, die Prototypen (6091 bis 60920) tauchen auf dem Markt praktisch nie auf.

      Es soll eine Kleinstserie von zehn Nikon I mit schwarzem Gehäuse gegeben haben. Eine schwarze „I“ ist aus einer japanischen Sammlung bekannt (Nr. 609431), weitere sind bisher nie aufgetaucht.

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Literatur:


Copyright © 1999 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 31. Juli 1999, letzte Bearbeitung am 31. Juli 1999.


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