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Nikon-Messsucherkameras („Rangefinder“) 1948–1965

Nikon SP

Nikon SP – Produktionsgeschichte

Nikon SP schwarz
Nikon SP, schwarzes Gehäuse
(Abb. Copyright © Nekogahora Camera Collection, mit freundlicher Genehmigung hier verwendet)

      Zwei Jahre, bevor mit der Nikon F die Spiegelreflex-Ära begann, im September 1957, setzte Nikon mit der SP noch einmal Massstäbe im Bau von Messsucherkameras. (Für viele Rangefinder-Freunde ist die „F“ ohnehin nichts Anderes als eine SP mit Spiegelkasten.) Die SP sollte sich zu einem „Dauerbrenner“ entwickeln – bis 1965, also tief in die Zeit der Spiegelreflexkameras hinein, war sie im Programm. Sie ist vielleicht die schönste, ganz sicher aber die technisch fortgeschrittenste Sucherkamera; mit einer Vielzahl von Innovationen markierte sie den Höhepunkt und gleichzeitig in gewisser Weise auch den Abschluss der Rangefinder-Entwicklung: Die drei danach noch herausgebrachten Modelle sind alle nur noch mehr oder weniger modifizierte SP.

      Unter dem Produktionscode 26F2B wurden (26F2B-1 bis 26F2B-13) die Seriennummern 6200000 bis 6299999 für die SP reserviert, aber bei weitem nicht ausgenutzt. Die höchste bekannte Seriennummer liegt im Bereich von 6232xxx, tatsächlich wurden aber nur 22'348 Stück gebaut. Diese relativ niedrige Anzahl ist für eine technisch so ausgereifte Kamera überraschend; Rotoloni weist darauf hin, dass gezieltes Marketing für die SP eigentlich nur in den ersten zwei Jahren, bis zur Einführung der „F“, betrieben wurde, und dass in den späten Fünfzigern die Zeit für Spiegelreflexkameras einfach reif war – die Entwicklung lag in der Luft und mag bei manchem Interessenten die Kaufentscheidung verzögert haben.

 

Nikon SP – Technik

      Das „P“ im Namen der SP steht für „Professional“, und diesem Anspruch wurde die SP in vollem Umfang gerecht. Die S2 hatte schon Einiges an Neuerungen geboten, die SP aber wurde zu „einem Meilenstein im Kamerabau“ (Braczko).
      Das auffallend lange Sucherfenster, das fast die gesamte linke Hälfte der Kamerafront einnimmt, ist das äussere Kennzeichen eines neuartigen Suchersystems, das im gesamten Brennweitenbereich von 28 mm bis 135 mm die Verwendung von Zusatzsuchern überflüssig machte.

      Das Ganze funktioniert einfacher, als es sich nach der Beschreibung vielleicht anhört: Der Suchereinblick besteht aus zwei Fenstern. Das linke Fenster dient der Festlegung des Bildausschnitts bei Verwendung von 28 mm- und 35 mm-Weitwinkelobjektiven. Hier ist nicht einfach nur ein Bildrahmen eingezeichnet, sondern das System ist ein an diese Brennweiten angepasster optischer Sucher mit der richtigen Weitwinkelperspektive.

      Das rechte Fenster kommt zusammen mit der Einstellscheibe unterhalb der Rückspulkurbel auf der linken Oberseite zum Einsatz: Hier, wo bei der S2 noch der Synchronisationswähler angebracht war, findet sich jetzt der neue Lens Field Selector mit den Beschriftungen „5“, „8.5“, „10.5“ und „13.5“ (damals wurden die Brennweiten noch in cm statt mm angegeben). In Stellung „5“ ist ein Bildrahmen im Sucher sichtbar. Stellt der Fotograf nun den Lens Field Selector z.B. auf „10.5“, sieht er zusätzlich im Sucher einen gelben Rahmen, der ihm den Bildausschnitt bei Verwendung des 105 mm-Teleobjektivs zeigt (bei „13.5“ ist der Rahmen rot). Natürlich ist auch hier der Bildrahmen parallaxenkorrigiert. Die SP erlaubte damit die Verwendung von sechs verschiedenen Objektiven ohne Einsatz von Zusatzsuchern – das war für den Profi im Alltag nicht zu unterschätzen.

      Die zweite grosse Innovation hatte sich mit der – allerdings nie in Serie gebauten – S2E bereits angekündigt und wurde jetzt serienmässig verfügbar: Die SP liess sich motorisieren!
      Der Motor mit der Bezeichnung S36 war von September 1957 bis immerhin Oktober 1964 im Angebot. Er kostete bei der Vorstellung, einschliesslich des erforderlichen externen Batteriepacks und eines 1 m langen Anschlusskabels, $ 199,50, dazu kamen $ 20,– für die Anpassung des Motors an die Kamera. (Die Spiegelreflex-Freunde kennen dies auch noch von der „F“; erst ab der F2 konnte ein beliebiger Motor an jedes Gehäuse angesetzt werden.) Rotoloni unterscheidet mindestens sieben Versionen dieses Motors, wobei die Änderungen jedoch vielfach nur das äussere Erscheinungsbild betrafen: Da gibt es Unterschiede in der Belederung bzw. Verchromung, in der Anbringung des Steckkontaktes für die externe Stromversorgung und ähnliche Details. Einen kabellosen Motor, also eine Version mit eingebauter Stromversorgung, gab es von Nikon selbst nicht; ein solcher Motor wurde für die SP (wie später auch für die „F“) von der Firma Jacobsen Products in Kalifornien angeboten – er gehört heute zu den grossen Raritäten des Rangefinder-Zubehörs. Ausser dem S36 gab es noch einen Motor bzw. eine Motorrückwand für die 250-er-Filmkassetten, dieses Teil erhielt logischerweise die Bezeichnung S250.

      Neben dem Motor gab es noch ein weiteres wichtiges neues Zubehörteil für die SP: Erstmals bot Nikon einen an die Kamera angekoppelten Belichtungsmesser an. Mit den alten Verschlusszeitenrädern – alle Modelle bis zur S2 hatten rotierende Einstellräder, dazu noch getrennt für die langen und die kurzen Zeiten – war eine solche mechanische Kopplung noch nicht möglich gewesen. Da jedoch bei der SP erstmals nur noch ein einziges festes Verschlusszeitenrad für alle Zeiten vorhanden war, konnte ein direkt koppelnder Belichtungsmesser entwickelt werden. Er wurde in den Zubehörschuh auf dem Kameragehäuse eingeschoben (von vorn!) und stellte dabei mechanisch die Verbindung zum Verschlusszeitenrad her. Auch von diesem Belichtungsmesser existieren verschiedene Versionen.

Nikon SP mit Belichtungsmesser
Nikon SP, Chromgehäuse, mit aufgesetztem Belichtungsmesser (erstes Modell in grau)
(Abb. Copyright © Nekogahora Camera Collection, mit freundlicher Genehmigung hier verwendet)

      Weitere Neuerungen bei der SP waren u.a. ein grösserer Auslöser, ein neuer Schnellschalthebel, eine Filmlängenanzeige, eine automatische Rückstellung des Bildzählers beim Öffnen der Rückwand und eine verbesserte Einstellung der Blitzsynchronisation. Ausserdem erhielt die SP, auf der Vorderseite gut erkennbar, als erste Nikon überhaupt einen Selbstauslöser. Wichtig für Sammler: Die Seriennummer des Kameragehäuses war jetzt nicht mehr in die Rückwand eingelassen.
      Oft wird bei der SP der Titanverschluss, der den bis dahin verwendeten Tuchverschluss ablöste, besonders hervorgehoben. Diese Aussage muss man etwas relativieren: Die ersten SP wurden noch mit dem bekannten Tuchverschluss ausgestattet. Erst, als mit dem Produktionsbeginn der „F“ die Kapazität in der Herstellung von Titanverschlüssen ausgebaut wurde, profitierte auch die SP davon – dies geschah ab ca. Juni 1959 und damit etwa ab der Seriennummer 6214000. Dies bedeutet, dass von den 22'348 SP, die insgesamt gebaut wurden, ca. 14'000, also weit mehr als die Hälfte, noch einen Tuchverschluss haben!

 

Nikon SP – Prototypen

      Zwei SP-Versionen muss man noch erwähnen, die leider nicht über das Stadium des Prototypen herausgekommen sind. Es gab zwei Exemplare einer SP2, bei der auf den Weitwinkel-Sucher (28/35 mm) verzichtet wurde; diese besassen einen eingebauten Sucher vom Variframe / Varifocal-Typ, also einen Zoom-Sucher, für die übrigen vier Brennweiten.

      Der einzige Punkt, in dem sich die SP einer heutigen Leica M6 geschlagen geben muss, die TTL-Messung, war bei Nikon auch bereits gelöst worden: Eine Nikon SPX mit funktionsfähiger TTL-Messung existiert als Prototyp; der „Rangefinder-Papst“ Rotoloni berichtet, dass er diese Kamera in Tokyo selbst gesehen und ausprobiert hat.
      Schade, dass diese SPX nie in Serie ging! Nikon konzentrierte sich in den frühen sechziger Jahren allerdings voll auf die „F“-Spiegelreflex-Kamera und hatte das Thema Rangefinder damals wohl zu den Akten gelegt. Für immer? (S. dazu auch die Seite über die S3 Year 2000 Limited Edition.)

 

Nikon SP – Sammlermarkt

      Die SP ist relativ teuer. Dies ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass man auch heute noch mit dem Kauf einer (funktionsfähigen!) SP eine Kamera erwirbt, die praktisch Alles bietet, was bei einer Messsucherkamera machbar, brauchbar und wünschenswert ist.

      Etwa Fr. 3'500,– müssen Sie für eine gut erhaltene SP schon anlegen – mit Chromgehäuse und Tuchverschluss. Schwarze Gehäuse und Kameras mit Titanverschluss sind um Einiges teurer; eine schwarze SP in exzellentem Zustand wurde im August '99 bei eBay für $ 6'000,– verkauft! Ein an die Kamera angepasster Motor (wenn Sie den Motor wollen, achten Sie darauf, dass Sie Kamera und Motor als Einheit kaufen!) kostet leicht noch einmal Fr. 2'000,– mehr.

      Die SP sollten Sie allerdings wirklich zum Fotografieren benutzen – diese Kamera ist so durchdacht gebaut und funktionell gelungen, dass es viel zu schade wäre, sie in einer Vitrine verstauben zu lassen!


Literatur:


Copyright © 1999–2000 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 12. August 1999, letzte Bearbeitung am 23. April 2000.


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