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Nikon-Messsucherkameras („Rangefinder“) 1948–1965

Einführung: Die Vorgeschichte der Rangefinder

      Die in den siebzehn Jahren zwischen 1948 und 1965 gebauten Messsucherkameras legten den Grundstein zum legendären Ruf der Marke Nikon. Heute sind sie begehrte Sammlerstücke, für die teilweise enorme Preise gezahlt werden; zum Zeitpunkt ihres Erscheinens waren sie Meisterwerke des Kamerabaus, die nicht nur der Firma Nikon (oder besser: damals noch Nippon Kogaku), sondern dem japanischen Kamerabau insgesamt zu Weltruf verhalfen.

      Ich verwende für diese Kamerageneration bevorzugt den englischen Ausdruck Rangefinder – unter dieser Bezeichnung sind die Nikon-Sucherkameras ein Begriff geworden. Ich hoffe, dass Sprachpuristen keinen Anstoss daran nehmen.

      Um die Entwicklung dieser Kameras besser zu verstehen, lassen Sie uns einen Blick in die Geschichte der Firma Nippon Kogaku werfen.

 

Nippon Kogaku 1917–1945

      Siehe dazu auch „Kurze Geschichte der Firma Nikon“.

      Im Jahr 1919 reiste der Direktor der Fujii-Lens, einer der drei Gründungsfirmen von Nippon Kogaku, nach Deutschland, um Firmen der optischen Industrie zu besichtigen. Die deutsche optische Industrie galt Anfang des 20. Jahrhunderts weltweit als führend, und so stellte Nippon Kogaku 1921 acht deutsche Techniker ein. Auch andere Firmen suchten den Anschluss an deutsche Technologie, z.B. die „Nichi-doku-Shashinki Shokai“ (Japanisch-deutsche Handelsgesellschaft), heute unter dem Namen Minolta bekannt.

      Eine geplante Zusammenarbeit von Nippon Kogaku mit Carl Zeiss Jena kam nicht zustande, dagegen wurde die noch junge Firma vom deutschen Glashersteller Schott unterstützt – eine Beziehung, die bis heute erhalten geblieben ist.

Nikon-Mikroskop bei Siemens

      Die Firma Nippon Kogaku lieferte zunächst optische Geräte (Ferngläser, Periskope, Zielfernrohre u.a.) an die japanische Armee, später wurden auch zivile Produkte wie astronomische Instrumente und Mikroskope hergestellt; für die Mikroskope wählte man den Namen Nikko.

      Kamerafreunde vergessen übrigens oft, dass Nikon auch heute noch im Bereich optischer Präzisionsinstrumente tätig ist und auch dort einen hervorragenden Ruf geniesst.
 
      Abbildung links: Deutsche High-Tech wird mit japanischer Optik kontrolliert: Bei Siemens in Forchheim fotografierte ich dieses Nikon-Mikroskop, das dort für die Qualitätskontrolle von Strahlungs-Detektoren für die Computertomographie benutzt wird.
(Copyright © 1999 C. Ozdoba)

      Gleichzeitig wurde Nippon Kogaku auch als Objektiv-Lieferant für die Kamera-Industrie tätig und entwickelte im Laufe der Jahre ein grosses Programm an Objektiven für Plattenkameras. Den Namen Nikkor finden wir erstmals im Jahre 1932 an einem 105 mm/4.5-Objektiv vom Tessar-Typ. Seit 1932 arbeitete Nikon an Kleinbildobjektiven, für die es aber noch keine passende Kamera gab. Verwendet wurde das erste 50 mm/3.5 dann an der „Hansa-Kwanon“-Kamera des Seiki Kogaku Precision Optical Research Institute, der ersten japanischen Kleinbildkamera mit Schlitzverschluss. Für diese Firma – Sie kennen sie heute als Canon – lieferte Nippon Kogaku bis 1948 alle Normalobjektive!

      Während der Kriegsjahre expandierte die Firma Nippon Kogaku als Hauptlieferant optischer Instrumente für die Armee; gegen Ende des Krieges arbeiteten 23'000 Menschen in insgesamt 19 Fabriken.

 

Nippon Kogaku nach 1945

      Nach der Kapitulation und der Besetzung Japans durch die US-Armee wurden alle Fabriken bis auf das Stammwerk Ohi und das Zweigwerk Shiojiri geschlossen, der Mitarbeiterstamm schrumpfte auf 1'400 Beschäftigte.

      Am 16. Oktober 1945 wurde der Firma die Wiederaufnahme der Produktion ziviler Güter erlaubt. Mit optischen Messinstrumenten allein konnte man allerdings kaum überleben, an grössere Exportaktivitäten mit Aufbau eines Vertriebsnetzes und Werbekampagnen im Ausland war vorläufig nicht zu denken. Der Inlandsmarkt lag brach; die wirtschaftliche Situation im Nachkriegs-Japan war schlimmer als während der Depression der Dreissiger Jahre.

      Geld für Konsumgüter hatten allerdings die Besatzungs-Soldaten, und hier sah man einen Markt. Nippon Kogaku begann die Entwicklung einer eigenen Kamera, wobei man im Anfang Entwicklungen sowohl in Richtung einer zweiäugigen 6x6-Kamera wie einer 35 mm-Kleinbildkamera betrieb. Die 6x6-Kamera erreichte das Prototyp-Stadium; sie wurde 1947 unter dem Namen Nikoflex registriert, allerdings, wie wir wissen, nie in Serie gebaut.

      Gm 15. April 1946 wurde der Produktionsauftrag Nr. 6FT-1 für die erste Serie von 20 Stück einer Kleinbildkamera erteilt; die Entwicklung war im September 1946 abgeschlossen. Im März 1948 erfolgte die Markteinführung der Nikon – ein neuer Name war geboren, der in den folgenden fünfzig Jahren zum Inbegriff für professionelle Kleinbildfotografie werden sollte.

      Wenn Sie chronologisch weiterlesen möchten:

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Literatur:


Copyright © 1999 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 17. Juli 1999, letzte Bearbeitung am 5. August 1999.


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