Der Toyota Prius III Prius III

Der Prius in der Presse

      Siehe dazu auch „Prius-Links: Tests und Fahrberichte“.

Ein Auto – verschiedene Wahrnehmungen

      Mensch und Auto – das passt einfach nicht rational und objektiv zusammen. Das gilt für die Geschosse der Kategorie mit 300+ PS ebenso wie für den Prius. Für diesen Hybrid muss man eine gewisse Einstellung zum Autofahren haben, die sich nun einmal von der eines 911-, R8- oder auch schon Golf-GTI-Fahrers unterscheidet.
      Sehr deutlich wird das, wenn man Pressestimmen zum Prius vergleicht. Die objektiven, messbaren Daten werden überall korrekt wiedergegeben, aber sobald es in den Bereich der subjektiven Bewertung geht, hat man im Vergleich manchmal den Eindruck, die Redakteure könnten eigentlich gar nicht dasselbe Auto meinen.

      Hier zwei extreme Beispiele; die interessanten Textpassagen habe ich in Fettdruck hervorgehoben:

      Ja, was stimmt denn nun? Viel wichtiger: Was soll der Leser glauben? Meine Antwort darauf und gleichzeitig eine Empfehlung für alle, die sich ernsthaft für den Prius interessieren: Glauben Sie gar nichts – erfahren Sie den Prius (im ganz wörtlichen Sinn) selbst. Wir hatten viel über den Prius gelesen – Informationen des Herstellers, Forenbeiträge, erste Tests auf dem Web –, aber die definitive Entscheidung, ihn zu kaufen, fiel erst nach einer Probefahrt. Was grosszügiges Platzangebot und Fahrspass ist und was nicht, ist letztlich Ihre Entscheidung, und die kann Ihnen kein Redakteur abnehmen.

 

Technologie, die Technik-Journalisten nicht verstehen (wollen?)

      Manches (oder sogar vieles), was an „Tests“ über den Prius veröffentlicht wurde, stellt erst einmal einem ein denkbar schlechtes Zeugnis aus: dem verantwortlichen Redakteur.
      Wer Beispiele lesen möchte, wird in der Rubrik „Presseberichte“ im Forum priusfreunde.de fündig. Der teilweise – Entschuldigung, man kann es nicht anders nennen – absolute Unsinn, der da von selbst ernannten Experten geschrieben wird, lässt nur zwei fundierte Vermutungen zu:

  1. Das Phänomen NIH (not invented here): Der Prius ist nun einmal, für manche Redakteure schwer zu verdauen, ein japanisches Auto. Die deutsche Autoindustrie hat rund ein Jahrzehnt lang die Hybrid-Entwicklung schlicht verschlafen, aber um diese Firmen (Klartext: die Anzeigenkunden) nicht zu verprellen, darf ein Prius keinen Vergleichstest gegen ein deutsches Auto gewinnen. Ein besonders drastisches Beispiel hat die Autobild geliefert, die es schaffte, in einem explizit als „Spartest“, also nicht als generellen Vergleichstest, deklarierten Vergleich einen Golf 1.4 TSI (Testverbrauch 7,5 l/100 km) als Sieger vor dem Prius (5,55 l/100 km) zu sehen. Mit seriösem Journalismus hat das nichts mehr zu tun, mit tendenziösem Schönreden eines einheimischen Produkts aber schon sehr viel …
  2. Die Redakteure verstehen einfach nicht, dass bei „Auto 2.0“ (ein im erwähnten Forum gerne gebrauchter Begriff) einfach einiges anders ist, oder sie sind nicht bereit, sich mental und praktisch darauf einzulassen. Bei dem oben erwähnten Beispiel kann man ja noch gelassen darüber hinwegsehen, nach dem Motto „Nur, wo Bild draufsteht, ist auch Blöd drin“, aber was soll man davon halten, wenn der ADAC in einem Test das Fehlen eines Drehzahlmessers beklagt? Guten Morgen! CVT bedeutet continuous variable transmission und ist eine stufenlose Vollautomatik.
    Gut gefallen hat mir auch der Satz „… es erscheint zwar ein ‚Ready‘-Symbol im Display, wenn das Fahrzeug fahrbereit ist, allerdings ist man sich nie ganz sicher ob das Fahrzeug gestartet ist, da weder Anlasser- noch Motorgeräusche vorhanden sind“. Nochmals einen besonders guten Morgen, lieber ADAC! Ein Prius startet grundsätzlich elektrisch. Was soll er denn ausser „Ready“ sonst noch sagen?
    (Kommentar aus dem Priusfreunde-Forum dazu: Hallo? Soll da noch eine Stimme sagen: „Du kannst nun losfahren du ADAC Tester“ oder was? Wenn da Ready steht dann ist er auch Ready. Genauso wenn eine Ampel grün anzeigt man fahren darf. Man braucht da auch nicht zu warten bis hinter einem gehupt wird, oder?)

      Hätte der Prius ein VW-Emblem, vier Ringe, einen Propeller oder gar einen Stern auf der Haube, würde er wahrscheinlich als die technische Innovation und als der echte Meilenstein und Weg in die Zukunft anerkannt, der er ist, aber als Toyota hat er es in den deutschen Medien nun einmal schwer. Da wird doch lieber der mild-mild-Hybrid S 400 Hybrid als Zeichen der Überlegenheit des deutschen Autobaus gelobt …

      Gerade, während ich dies schreibe, läuft im Hintergrund ein Fernsehbericht über die IAA 2009. Was sehen wir da von den deutschen Herstellern? Pläne, Ankündigungen, Studien, Concept Cars – und auch bei dieser Berichterstattung „vergessen“ die Medienschaffenden geflissentlich, das umweltfreundliche Auto einmal etwas hervorzuheben (oder auch nur explizit zu nennen), das man nicht 2012, 2013, 2014, … sondern ganz einfach heute schon kaufen kann! Ich schaue da nur noch mit halbem Auge hin und lese dieses tendenziöse Geschreibsel höchstens noch zur Unterhaltung – Informationen gibt es woanders als in deutschen Autotests.

 

Es geht auch anders: Ein Redakteur, der sich traut, die Wahrheit zu schreiben

      Sehr selten (zu selten) findet man auch Presseberichte, die wirklichen Sachverstand und eine realistische Einschätzung erkennen lassen. Hier ein Auszug aus einem Prius-Test des Magazins „Focus“:

      Wer im Prius sitzt, erlebt Zukunft und muss jedes bisherige Auto für ein Fossil halten sowie dessen Lenker für chronisch lärm- und abgasresistent: Ganz objektiv ist völlig absurd, warum Millionen Autofahrer jeden Tag mit spritvergeudend laufenden Motoren im Stop-and-Go-Verkehr unterwegs sind. Der Toyota spart sensationell unauffällig. Präzise, perfekt, leicht bedienbar. Hybrid? Das funktioniert bestens. Ein fortschrittliches Auto: Der Prius ist nicht nur viel größer geworden, sondern dank verfeinertem Konzept auch noch besser als sein Vorgänger. Dass er teurer ist als herkömmliche Autos, werden Fortschrittsfans verschmerzen können.
      Gravierender ist, dass es schon immer unbequem war, ein Vordenker zu sein. Vor allem unter Fossilen. Die Deutschen stören sich nicht am ressourcenvernichtenden Old-Tech konventioneller Autos. Noch nicht. Heute zählen PS und rassiges Outfit, Image und Sportlichkeit. Mit Öko-Intelligenz können die meisten Autobesitzer beim Nachbarn nicht protzen. Aus diesem Grunde wird der technisch brillante, aber optisch enttäuschend biedere Prius auch erneut kein Bestseller in Deutschland werden. Vielleicht werden künftige Ölpreiserhöhungen für einen Paradigmenwechsel sorgen, wenn die Ökologie zum sexy Kaufargument wird.

      Diesen Text wird wohl jeder Prius-Freund unterschreiben. Das Interessanteste daran: Er stammt aus einem am 5. Dezember 2003 (!) veröffentlichten Fahrbericht des damals neuen Prius II (1). Schade, dass weder die (deutsche) Autoindustrie noch die deutschen Autofahrer seither etwas dazugelernt haben. Angebot und Kaufverhalten sind nach wie vor eher auf „PS und rassiges Outfit, Image und Sportlichkeit“ ausgerichtet, und Vordenker haben es immer noch schwer …

 

Der Prius III in der „Fachpresse“ (kein Aprilscherz)

Prius III bei Auto, Motor und Sport

      „Auto, Motor und Sport“ habe ich früher gerne gelesen. Das begann im Alter von ca. 12 Jahren, gut zehn Jahre später hörte es auf – keine Zeit mehr wegen des Studiums, andere Interessen …
      Jahrzehntelang tauchte die AMS in meinem Bewusstsein gar nicht mehr auf. Das änderte sich erst mit dem Interesse für den Prius und der Erkenntnis, dass in den Redaktionen deutscher Autozeitschriften die Phänomene der selektiven Wahrnehmung und der kognitiven Dissonanz offenbar sehr präsent sind. Nun, jeder hat das Recht auf seine Meinung, und wenn deutsche Zeitschriften die Diesel deutscher so genannter Premiummarken für den Gipfel der Autotechnologie halten wollen, dürfen sie das – ich muss diese Blätter nicht kaufen.
      Dass aber wenigstens elementare technische Daten und Fakten korrekt wiedergegeben werden, darf ich auch von einer Redaktion erwarten, die japanischen Fahrzeugen gegenüber eher wenig euphorisch eingestellt ist. Betrachten Sie doch einmal das Bild links; es ist ein Screenshot von der AMS-Website (30. Januar 2010).
      Erstaunlich, dass der Prius III hier genauso aussieht wie der Prius II – meiner ist irgendwie anders. Ich wusste auch noch nicht, dass ich einen 280 PS starken 3,5-Liter-V6 unter der Haube habe. Was wird in dieser Redaktion geraucht?

 

Der grösste Unsinn, der über den Prius je veröffentlicht wurde

      Ja, ich werde manchmal ein wenig unwirsch, wenn Redakteure ihre Voreingenommenheit oder ihre fehlende Bereitschaft (Fähigkeit?), sich mit dem Prius wirklich auseinanderzusetzen, erkennen lassen. Wenn ich allerdings bewusst „für dumm verkauft“ werden soll von Leuten, die sich offenbar für sehr schlau und/oder ihre Leser für sehr dumm halten, werde ich schon regelrecht wütend – das Resultat ist dann eine Überschrift wie die über diesem Abschnitt.

      Was hat mich so erzürnt? Eine Firma namens CNW Marketing Research, Inc. hat 2006 eine „Studie“ mit dem Titel Dust to Dust – The Energy Cost of New Vehicles from Concept to Disposal vorgelegt. Der Ansatz, die Lebenszeit-Energiekosten eines Autos unter Einbeziehung der Umweltbelastung durch die Herstellung zu berechnen, ist erst einmal nicht schlecht, sogar lobenswert. Was dann aber folgt (und in der Behauptung gipfelt, ein Hummer sei bei dieser Berechnung umweltfreundlicher als ein Prius), ist so dilettantisch, dass sich jedem, der sich ein wenig mit wissenschaftlichem Publizieren auskennt, die Nackenhaare aufstellen.

      „The non-technical report“ ist der Untertitel dieser Veröffentlichung, und das meint offenbar, dass er von Autoren (und für Leser) erstellt wurde, die im College schon „Physics 101“ nicht bestanden haben. Wie heisst es so schön in der Einleitung:
      „This is a general-consumer report, not a technical document per se. It includes breakdowns of each vehicle's total energy requirements from Dust to Dust but does not include issues of gigajuelles, kW hours or other unfriendly (to consumers) terms. Perhaps, in time, we will release our data in such technical terms.“

      Diese Veröffentlichung steht bis heute aus – wahrscheinlich suchen die Autoren immer noch den Eintrag zu gigajuelles bei Wikipedia …
      Dass technische Daten grundsätzlich „Verbraucher-unfreundlich“ sind, war mir auch neu, lässt aber schon erkennen, welche intellektuelle Tiefe dieses Opus hat. Für irgendwelche Daten und Werte Quellen zu nennen oder die eigene Methodik detailliert zu beschreiben, ist wahrscheinlich auch zu technisch, jedenfalls haben die Autoren ganz einfach darauf verzichtet.

      Fazit dieser Studie: Schlampig, unwissenschaftlich – einfach ebenso dilettantisch wie dumm. Wenn Ihnen jemand davon erzählt, um Ihnen klarzumachen, dass der Kauf Ihres Prius ein Fehler war, hat er (die nette Variante) diese Studie nie kritisch gelesen oder (die leider wahrscheinlichere Variante) nicht begriffen, wie methodisch unsauber und damit wertlos dieses Machwerk ist.

      Sollten Sie den Wunsch verspüren, einen Nachmittag mit der Lektüre von 458 Seiten geballten Schwachsinns zu verbringen: Die „Studie“ können Sie auf der CNW-Website im PDF-Format herunterladen. Eine sehr gute kritische Auseinandersetzung mit diesem Machwerk finden Sie z.B. online im Slate-Magazine; der Autor einer Kritik auf der Site denialism.com findet noch etwas deutlichere Worte und bezeichnet diese Studie als „the most schizophrenically written piece of garbage I've ever seen“. Folgen Sie auch einmal den Links auf diesen Seiten, es lohnt sich. Viel Spass beim Lesen!

 

Dahinter steckt (leider nicht) immer ein kluger Kopf: Die FAZ über Hybrid-Technologie

      Eigentlich schätze ich die FAZ. Gut recherchierte Artikel, kluge Analysen. Was da allerdings ein Redakteur zum Thema „Hybrid-Technologie“ zu Papier, oder besser, auf die Website gebracht hat, unterstützt eher die Kritiker dieses Blattes, die „FAZ“ gerne als „Frankfurter Arbeitgeber-Zeitung“ interpretieren. Das selige Verschlafen der Hybrid-Technologie durch die deutschen Autohersteller wird da in einer Weise schöngeredet, die man nicht einmal mehr als tendenziöse Meinungsmache, sondern nur noch als Volksverdummung bezeichnen kann.

      Ich erspare mir jetzt, einen Artikel im Detail zu kommentieren, bei dem zum Thema erst einmal Mercedes S 400, VW Touareg und Porsche Cayenne genannt werden (für die Leserschaft im Frankfurter Bankenviertel vielleicht interessant, für normale Menschen garantiert relevanzfrei), und bei denen dann als Fazit – na, was wohl? – natürlich der Diesel als die überlegene Technologie präsentiert wird. Glücklicherweise findet man das dem Redakteur leider völlig abgehende Fachwissen dann in einigen Leserkommentaren. Wenn Sie sich also, je nach persönlicher Befindlichkeit, ärgern oder amüsieren wollen, lesen Sie diesen Artikel:
      Hybrid-Antrieb: Teurer kann man Sprit nicht sparen (FAZ.net, 17.5.2010)


Fussnoten:

  1. Der Redakteur Martin Vogt des Nachrichtenmagazins „Focus“ hat mehr über Hybrid-Technik begriffen als seine Kollegen bei dedizierten Auto-Zeitschriften. Der erwähnte Prius-Test stammt aus seiner Feder, und in einem mit dem Titel „Intelligente Luxusklasse“ überschriebenen Test des grossen Bruders des Prius, des Lexus LS 600h, schreibt er am 17.8.2007
    „Schwer in Bewertungstabellen einzutragen ist das beruhigende Gefühl, im fortschrittlicheren Auto zu sitzen, wenn im täglichen Stadt-Stau der Lexus ohne Spritkonsum stillsteht, während ringsherum die Motoren tuckern. Konzeptionell ist er vielleicht doch die bessere Luxusklasse.“
    Danke, Herr Vogt!

Zurück zur Seite „Allgemeines zum Prius“ / zur Startseite.


Copyright © 2009 – 2010 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 9. August 2009, letzte Bearbeitung am 22. Mai 2010.


Adresse dieser Seite: http://www.ozdoba.net/prius/allgemein/prius_presse.html

Durch das World Wide Web Consortium validierter Code gemäss dem Standard HTML 5   Erstellt unter Windows 7