Der Toyota Prius III Prius III

Toyota ruft den Prius III zurück – Ja, und?

      Da haben die Manager der europäischen und amerikanischen Autoindustrie sich aber richtig die Hände gerieben: Rückruf bei Toyota wegen der Fussmatten Ende 2009, Rückruf wegen der Gaspedale im Januar 2010, Rückruf des Prius wegen der Software des ABS – die Häme in der Presse war unübersehbar. Das Ende der legendären Toyota-Qualität wurde beschworen, es wurde prognostiziert, dass es Jahre dauern und die Firma an den Rand des Ruins bringen werde, diese Ereignisse zu „verdauen“.

      Glaubte man manchen Medien, müsste eigentlich seit Ende 2009 an jedem Baum und an jeder Leitplanke ein Toyota kleben. Ich habe allerdings keinen gesehen. Sie vielleicht?

      Damit wir uns richtig verstehen: Ich will nichts beschönigen oder unter den Teppich kehren. Es sind fehlerhafte Teile (eines amerikanischen Zulieferers – eigenartig, dass das offenbar noch niemandem aufgefallen ist) verbaut worden, und Toyota wechselt diese jetzt aus. Schauen wir uns die drei grossen Rückrufaktionen des letzten halben Jahres einmal einigermassen sachlich an:

  1. Die Fussmatten
    Da gab es diesen legendären ständig beschleunigenden Lexus – ein tragischer Unfall mit vier Toten, der um die Welt ging. Ursache waren offenbar mehrere übereinander gelegte Fussmatten, die zu einem Blockieren des Gaspedals führten. Für mich hat dieser Vorfall immer schon zwei Fragen aufgeworfen: Was hat Toyota damit zu tun? Der Fehler lag beim Händler, der das Auto so übergeben hat, oder allenfalls beim Fahrer, der diesen so eigenartig ausgerüsteten Wagen gefahren hat. De mortuis …, trotzdem sei die Frage erlaubt: Warum hat der Fahrer, ein erfahrener Highway-Polizist, nicht das einzig Logische getan: Wählhebel auf N und bremsen?
  2. Das Gaspedal
    Da ist die Sache klar: Ein Bauteil zeigt, lange vor der mittleren Lebensdauer eines Automobils, Verschleisserscheinungen, die zu einer gefährlichen Situation führen können. Toyota hat reagiert und eine Rückrufaktion eingeleitet, der Vorstandschef hat sich öffentlich entschuldigt. Was, bitte, soll denn sonst noch geschehen? Harakiri vor laufenden Kameras? Man hat einen Fehler gemacht, man steht dazu (vor einer breiten Öffentlichkeit!) und korrigiert ihn – es wäre zu wünschen, dass andere in einer ähnlichen Situation genauso reagieren würden.
  3. Die Bremsen
    Offenbar gibt es tatsächlich gelegentlich Situationen, in denen das ABS nicht kontinuierlich die volle Bremskraft zur Verfügung stellt. Auch im Prius-freundlichen Forum priusfreunde.de gibt es Mitglieder, die über solche Erlebnisse berichten. Abhilfe schafft das, was jeder halbwegs erfahrene Autofahrer sowieso in einer solchen Situation tut: Das Bremspedal voll durchtreten. Ich habe auch schon einen Termin für das ABS-Software-Upgrade, aber wie notwendig das wirklich ist, kann ich nicht beurteilen.
Screenshot Rückrufaktion auf der Website von Toyota Schweiz
Screenshot der Website von Toyota Schweiz vom 9. 2. 2010

      Wieso das jetzt das Ende des hohen Qualitätsanspruchs von Toyota bedeuten soll, erschliesst sich mir nicht. Im Gegenteil: Eine Rückrufaktion ist nichts anderes als das konsequente Umsetzen dieses Qualitätsanspruchs. Natürlich wären alle jetzt betroffenen Toyota-Besitzer (wie auch die Firma selbst) glücklicher, wenn man die Schwachstellen Gaspedal und ABS-Software entdeckt hätte, bevor es so weit kam, aber, Hand aufs Herz, liebe Leserinnen und Leser: Gilt hier nicht immer noch die alte Regel, dass nichts und niemand vollkommen ist? Fehler passieren – Toyota tut alles (und sicher mehr als die meisten Mitbewerber), um sie zu minimieren, aber auch bei Toyota arbeiten immer noch Menschen, nicht Götter.

      Eines kann ich mir jetzt als Antwort auf die selbstgefällige Kritik der oberschlauen (vorwiegend deutschen und amerikanischen) Autoindustrie und der ihr gehorsam zuarbeitenden Presse nicht verkneifen – einfach, um einmal die Vorgänge ins richtige Licht zu rücken. Hier eine unkommentierte Aufstellung von verschiedenen Fakten; ich überlasse es Ihnen, selbst Rückschlüsse daraus zu ziehen. (Überlegen Sie doch auch einmal, welche dieser Tatsachen Ihnen schon bekannt war und welche z.B. in den Abendnachrichten zur besten Sendezeit im deutschen Fernsehen verbreitet wurde. Wie? Keine? Eigenartig – oder vielleicht doch nicht …)

      Lust auf mehr? Dann werfen Sie doch einmal einen Blick auf die Übersicht „Rückrufaktionen“ auf der Website des ÖAMTC. Ich bin gespannt, ob Sie dann immer noch in den Abgesang auf die Toyota-Qualität mit einstimmen und die deutschen „Premium-Marken“ hochleben lassen wollen …


Nachtrag 15. 2. 2010:
      Es geht auch anders: Zwei Presseberichte zeigen, dass in manchen Redaktionen doch noch vernünftige Menschen sitzen und auch Vernünftiges schreiben. Lesen Sie doch einmal diese Artikel:


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Erste Veröffentlichung am 13. Februar 2010, letzte Bearbeitung am 15. Februar 2010.


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