Der Toyota Prius III Prius III

Erste Erfahrungen

Weihnachtsfahrt (hin – 19. 12. 2009)

      Nein, schönes Wetter kennt unser Prius auch nach rund 1 500 km noch nicht. Das nass-matschige Winterwetter, das wir bei der Fahrzeugübergabe am 7. 12. 2009 und am folgenden „Einfahrtag“ hatten (ich hatte extra dafür zwei Tage Urlaub genommen), hat uns bis heute begleitet. Am 19. 12. trat er, mit rund 600 km auf dem Tacho, seine erste längere Fahrt an: Rund 800 km ging es vorwiegend nach Norden; wir wollten die Weihnachtstage bei der Familie in Deutschland verbringen. Irgendwie fanden wir das schon mutig, mit einem noch nicht einmal halbwegs eingefahrenen Auto gleich eine solche Tour zu unternehmen, andererseits: Es ist schliesslich ein Prius, was soll da passieren?
      Was wir noch nie erlebt hatten: Von der Autobahn Bern–Basel über die A5, A7, A44, A33 und A2 bis zu unserem Ziel im Landkreis Minden-Lübbecke begleitete uns eine geschlossene Schneedecke. Die Aussentemperatur lag in den wärmsten Abschnitten bei -7°, auf der A44 erreichte sie kurzzeitig -16°! Keine optimalen Einfahrbedingungen, und kein Wetter, um Benzinspar-Rekorde aufzustellen. Der Verkehr war extrem dicht; vier Stunden brauchten wir von Bern bis Karlsruhe, der Schnitt lag bis dahin bei phänomenalen 77 km/h! Das musste natürlich irgendwie aufgeholt werden; A7, 44 und 33 waren relativ frei, und da die Kasseler Berge ohnehin schon kein Gebiet für Verbrauchsrekorde sind, hatten wir am Ziel beim Durchschnittsverbrauch eine glatte 6,0 auf dem Bordcomputer – aber dafür den Schnitt auf 96 km/h gesteigert. Dies zur Erklärung, warum ich nicht mit Verbrauchsrekorden aufwarten kann.

 

Unser Prius
Der Chronist am Steuer des schneeweissen P III am Ufer
des Neuchâteler Sees – und es regnet ausnahmsweise nicht! (8. 12. 2009)

 

      Nach nun knapp 1 500 km stelle ich unter dem Weihnachtsbaum einmal unsere ersten Eindrücke zusammen, wobei ich mich an den Punkten orientiere, die im Priusfreunde-Forum als Kritikpunkte genannt wurden:

 

Fahrzeug allgemein: Verarbeitung, Qualität, Platzangebot

      Ich kann nicht klagen: Kein Problem mit den Spaltmassen an Mittelkonsole oder Handschuhfächern, nichts klappert oder knarzt. Der Prius ist ausserordentlich ruhig, das Abrollgeräusch der Reifen dringt gelegentlich durch, aber das sind nun einmal derzeit Winterreifen auf 16-Zoll-Felgen. Der Kofferraum schluckte mühelos das Gepäck für zwei Personen für acht Tage, und zwar ohne Nutzung des Bodenfachs und so, dass man das Abdeckrollo noch schliessen konnte. Da ist noch viel „Luft drin“! Auch im Innenraum hatte ich mit meinen auf 1,96 m verteilten 102 kg weder auf dem Fahrer- noch Beifahrersitz Probleme. Die Kritik am Höhenunterschied zwischen Fahrer-Armlehne und Mittelkonsole kann ich nicht nachvollziehen, die deutlich kleinere beste Ehefrau von allen auch nicht (sie legt halt den Arm nicht links ab). Der untere Teil der Heckscheibe, der vom Heckwischer nicht erfasst wird, verschmutzt relativ schnell. Der linke Aussenspiegel hätte (was er wahrscheinlich auch auf dem amerikanischen Markt hat?) einen der bekannten Aufkleber „Objects in the rear-view mirror are closer than they appear“ verdient; der Weitwinkel-Effekt ist enorm, und ich brauchte ca. 100 Autobahn-Kilometer, bis ich beim Spurwechsel nach links den Abstand in diesem Spiegel einigermassen richtig einschätzen konnte. Jetzt geht, entgegen früherer Gewohnheit, der letzte Blick unmittelbar vor dem Herüberziehen immer noch einmal in den Innenspiegel.

 

Ausstattung und Bedienung

      Wir hatten geahnt, dass wir ein Ausstattungsmerkmal unseres Jeep vermissen würden, und das hat sich bestätigt: Eine elektrische Sitzverstellung mit Memory-Funktion hätten wir sofort geordert, wenn Toyota sie anbieten würde. Leider gibt es diese extrem nützliche Einrichtung nicht einmal gegen Aufpreis, in Kombination mit Lederpolstern oder sonstwie – es gibt sie einfach gar nicht. Liebe Toyota-Entwickler: Gelegentlich werden Autos regelmässig von unterschiedlich grossen Menschen gefahren, und diese dauernde Sitz-Rückerei ist einfach lästig. Das wäre – uns zumindest – wichtiger und im Alltag nützlicher als die Einparkautomatik! Immerhin haben wir für die Einstellung von Lenkrad und Aussenspiegeln eine Einstellung gefunden, mit der wir beide fahren können.

      Das war dann aber auch schon (fast; s.u.) die Kritik; alles andere hat uns gefallen, überzeugt oder sogar begeistert. Das Navigationssystem ist dem, das wir aus unserem Jeep kannten, weit überlegen. Das beginnt damit, dass wir nicht mehr hinter der Landesgrenze CDs wechseln müssen und geht über eine sehr gut abgestufte Beleuchtung (einschliesslich der Tag-/Nacht-Wechsel – da kann man einfach die Voreinstellung beibehalten) bis zu einer intelligenten Funktion, die 400 m vor einer Kreuzung (oder 1 km vor einer Autobahnausfahrt) automatisch auf eine „split-screen“-Darstellung wechselt. Das kannte ich bisher nur aus dem High-End-System von Mercedes! Routenführung, TMC und alle übrigen Funktionen arbeiten einwandfrei. (Witzig: Beim Überschreiten einer Staatsgrenze meldet sich die freundliche Stimme mit „Sie haben die Grenze überschritten“, und es erscheint die Flagge des Landes, in das man gerade eingefahren ist.) Die Lautstärke sollte man, wie im Forum empfohlen, im Setup auf Maximum stellen. Heizung und Belüftung gaben, trotz der wirklich extrem winterlichen Wetterbedingungen, gleichfalls keinen Grund zur Klage – es wurde schnell und zugfrei warm im Auto (ca. 12 km nach Abfahrt) und blieb es auch. (Wir haben allerdings nie den ECO-Modus benutzt.) Das Audiosystem hat uns, nach all den Katastrophen-Meldungen im Forum, angenehm überrascht. Im Dreiländereck um Basel hörte die Senderliste gar nicht mehr auf, und unsere drei Standardsender auf dieser (von uns häufiger gefahrenen) Route (SWR 3, HR 3 und WDR 2) kamen jeweils glockenklar. Lästig ist nur, dass im Menü für die Sender-Programmierung bei RDS-Sendern statt des Sendernamens die gerade aktuelle RDS-Anzeige angezeigt wird, also z.B. Interpret oder Titel des gerade gespielten Liedes. Das lässt sich vermeiden, wenn man über die Senderliste geht. Geradezu genial ist das head-up-Display, insbesondere mit der Darstellung der Abbiegepfeile im 3D-Look, wenn man die Navigationssystem-Anzeige zuschaltet. Die vorderen Parksensoren musste ich einmal bei heftigem Schneetreiben direkt von vorne abschalten, da es immer wieder kurz und intensiv im Auto piepste (was anfänglich etwas irritierend war, bis mir die Ursache klar wurde). Spass hatten wir jetzt schon an unserem Solar-Schiebedach. Naürlich konnten wir es weder öffnen noch die Funktion der Solarzellen-Belüftung testen, aber das Glasdach (das man immer durch Zurückschieben der Innenverkleidung sichtbar machen kann) vermittelt ein Gefühl von „Luftigkeit“, das wir so noch nicht kannten. (Das ist natürlich nicht Prius-spezifisch; ein so genanntes „moon-roof“ bieten auch andere Hersteller an, aber es ist angenehm.) Nur eine echte Kritik müssen wir anbringen, sie betrifft die Scheibenwaschanlage. Nein, an der Funktion ist nichts auszusetzen; Freude kommt auf, wenn man Wasser nachfüllen will. Zunächst einmal bleibt der Zeitpunkt, wann man das tun sollte, ein Geheimnis des Prius. Auf irgendeine Form der Anzeige (ein Lämpchen hätte im reich bestückten Display sicher noch Platz gehabt) für niedrigen Wasserstand hat Toyota leider verzichtet. Der Wassertank ist nicht einsehbar, dafür gibt es in der Einfüllöffnung einen „Peilstab“– für Wasser! Also, liebe Priusfahrer: Immer mal „auf Verdacht“ nachfüllen, und man ist auf der sicheren Seite!

 

Fahren mit dem P III

      Vielleicht waren wir anfangs übervorsichtig – nach 16 Jahren Allradantrieb begegnet man jedem nur über eine Achse angetriebenen Auto zunächst einmal mit einem gewissen Misstrauen, zumal bei einem solchen – pardon – Sauwetter, wie wir es auf dieser Fahrt hatten. Zu übertriebener (!) Vorsicht hat man allerdings im Prius keinen Grund; das Fahrverhalten war auf nasser, verschneiter, mit Schneematsch bedeckter und sogar trockener (hatten wir aber nicht oft) Fahrbahn einwandfrei. Der Frontantrieb zieht das 1,5-Tonnen-Auto sicher durch Kurven wie auch bergauf. Wir haben die gesamte Strecke im Normalmodus zurückgelegt, so dass ich über die subjektiv empfundene Wirkung von ECO und PWR noch nichts berichten kann. Auf einem kurzen, trockenen Stück der A44 konnte ich einmal nicht widerstehen und habe das Pedal voll durchgetreten. Bei einer Tachoanzeige von 193 km/h war der Prius noch nicht am Ende, aber die Verkehrssituation zwang zum Bremsen. Entweder geht der Tacho ganz enorm vor, oder Toyota nimmt es mit der Abriegelung bei 180 km/h nicht so genau. Das muss ich noch klären (vielleicht auf einem Prüfstand des TCS), denn wenn erstere Vermutung stimmt, wäre man bei 125 km/h nach Tacho hier in der Schweiz (Tempolimit 120 auf Autobahnen) fast schon ein Verkehrshindernis. Andererseits sind die Bussgelder hier so hoch, dass ich es ohne genaue Klärung des Sachverhalts nicht einfach darauf ankommen lassen möchte, nach dem Motto „mein Tacho geht mindestens 10 % vor, also fahre ich mal 135 nach Tacho“. Der viel zitierte „Gummibandeffekt“ beim Beschleunigen ist zwar spür- oder besser hörbar, stört aber nicht wirklich. Sicher ist: Der Prius ist kein langsames Auto; die Beschleunigung war in jeder Situation mehr als ausreichend.

 

Unser Prius
Am 2. Weihnachtstag 2009 sah unser Prius zum ersten Mal die Sonne!
Hier steht er vor der Eilhausener Mühle zwischen Nettelstedt und Lübbecke. (26. 12. 2009)

 

Weihnachtsfahrt (zurück – 27. 12. 2009)

      Das Wetter war nicht wesentlich besser als bei der Hinfahrt; der Schnee hatte sich in Regen verwandelt, und wir kamen immmerhin etwas zügiger voran. Der Verbrauch auf dem Abschnitt zwischen unserem letzten Tankstopp (bei Frankfurt) und der heimischen Garage lag bei 5,7 l/100 km – langsam kommen wir in Prius-typische Verbrauchsregionen. Weitere wesentliche neue Erkenntnisse brachte die Tour nicht; der Prius und wir haben uns aneinander gewöhnt!

 

Fazit nach 2 400 km

      Das Auo kann alles, was wir erwartet hatten, und noch etwas mehr. Natürlich bedeutet der Prius für uns zunächst einmal eine erhebliche Umstellung; zwischen einem 2,1-Tonnen-Geländewagen und einer 1,5-Tonnen-Limousine liegen fast schon Welten. Wir lieben ihn aber jetzt schon – der Kauf dieses Autos war eine richtige und gute Entscheidung!


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Erste Veröffentlichung am 1. Januar 2010, letzte Bearbeitung am 1. Januar 2010.


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