Der Toyota Prius III Prius III

Warum Prius?

      Nein, ich bin kein „Öko-Fuzzi“ oder „Baumküsser“. Ich habe noch nie in meinem Leben grün gewählt, und – um mit einem gerne gehörten „Argument“, mit dem man Freunde ökologischer Fahrzeuge als gar nicht wirklich kompetent diskreditieren will, gleich aufzuräumen – ich fahre gerne Auto.

Jeep Grand Cherokee V8

      In unserer Garage standen in den letzten zwanzig Jahren sicher nicht als Öko-Mobile zu bezeichnende Autos wie ein Audi 100 Turbo Quattro und ein Jeep Grand Cherokee 5.2 V8 (Bild links; unter 13 l/100 km nicht vernünftig zu bewegen, es konnten auch 21 werden – aber welch ein Sound, wenn der Achtzylinder tief grollend anfing, Fahrt aufzunehmen …)
      Wie kommt also jemand wie ich, der im Alter von achtzehn Jahren (wenn Sie mitrechnen wollen: das war 1976) noch verkündete „Ich hoffe, dass in Deutschland kein generelles Tempolimit eingeführt wird, bevor ich meinen ersten Porsche habe“ dazu, sich für den Toyota Prius zu interessieren?
 

 

Jeep Grand Cherokee Prius
Jeep Grand Cherokee 2.7 CRD Ltd. Toyota Prius III
2685 Hubraum [cm3] 1798
163 Leistung [PS] 136 1
2055 Leergewicht [kg] 1495
8,1 / 12,5 / 9,7 Verbrauch [l/100 km] 3,7 / 3,9 / 3,9
255 CO2-Emission [g/km] 89
1: Gesamt-Systemleistung
Prius-Daten nach Website Toyota Schweiz; Verbrauch ausserorts/innerorts/kombiniert

 
      Ich kann selbst nicht genau sagen, wie und vor allem warum dieses Interesse plötzlich zustande kam. Es war wohl eine Vielzahl von Faktoren, die da mitspielten: 4 000 km innerhalb von zwei Wochen im letzten Urlaub waren viel Arbeit, die sich der Turbodiesel an der Tankstelle kräftig honorieren liess, dazu kam irgendwann die Überlegung, dass es ziemlich sinnlos ist, für Fahrten mit maximal zwei Personen an Bord ständig mehr als zwei Tonnen Leergewicht zu bewegen, und – das mag in diesem Zusammenhang für Technik-verliebte 300-PS-Fans etwas überraschend sein – ich habe ein generelles Interesse an „Hightech“ und technischen Innovationen, und ein innovativeres Auto als den Prius wird man im Moment kaum finden.

      Zum letzten Punkt ein Beispiel aus dem Leben: In seiner Online-Kolumne „Abgewürgt“ hat der Spiegel-Redakteur Thomas Hillenbrand seine wie üblich (das macht den Reiz seiner Beiträge aus) sehr subjektiven Eindrücke von einer Ausfahrt in einem 911 geschildert. Es wurde, was fast zu erwarten war, einer der Beiträge mit den bisher meisten Kommentaren im Leserforum dieser Kolumne. (Den anderen finden Sie weiter unten zitiert.)
      Ich kann einem 911 heute nichts mehr abgewinnen – man entwickelt sich in mehr als dreissig Jahren weiter. Interessant in dieser Diskussion war für mich aber ein Beitrag, in dem die Ingenieurs-Leistung hervorgehoben wurde, die in dieser Maschine steckt.
      Es ist sicher eine Leistung (die ich auch nicht herabwürdigen will), ein 345-PS-Auto zu bauen, das mit (realistisch) 12 l/100 km bewegt werden kann. Nur: Dieser 911 ist die richtige Antwort auf die falsche Frage. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, wenn die Herrschaften in Weissach ihre Arbeit, ihr Knowhow und ihre Kreativität in die Entwicklung eines 150-PS-Autos gesteckt hätten, das man mit fünf Litern fahren kann?

      Heute sehe ich in dieser PS-Protzerei einfach keinen Sinn mehr. Hut ab vor den Konstrukteuren bei Toyota, die sicher nicht weniger Inspiration und Transpiration in eine Entwicklung investiert haben, die wirklich relevant ist. Die gesamte europäische Autoindustrie, einschliesslich der so genannten „Premium-Hersteller“, hat diese Entwicklung ganz grossartig verschlafen.

      Für mich (denn natürlich ist das alles absolut subjektiv) zeigt der Prius, in welche Richtung Automobil-Entwicklung im frühen 21. Jahrhundert gehen sollte. Erste zaghafte Versuche anderer Hersteller werden zwar unternommen, aber der Hybrid-Weltmarktführer hat einfach im Moment noch einen gewaltigen Vorsprung. Eine riesige Enttäuschung war für mich der S 400 Hybrid von Mercedes – mit einem 279-PS(!)-Benziner, der von einem mickrigen 20-PS-Elektromotor unterstützt wird, liegen dessen Verbrauchswerte immer noch über denen eines S 350 CDI BlueEfficiency, lediglich der CO2-Ausstoss ist geringfügig besser (Daten von der Website von Mercedes Deutschland, 2.8.2009).

      Natürlich wird da Besseres kommen, aber das dauert eben noch einige Jahre. Der in den Medien derzeit populären Begeisterung für reine Elektroautos kann ich mich nicht anschliessen, solange diese Fahrzeuge keine wirklich brauchbaren Reichweiten erzielen und solange die Schadstoff-Berechnungen immer noch erst beim Auto beginnen – der Strom kommt eben aus der Steckdose …

      Falls Ihnen jetzt der Opel Ampera einfällt: Auch der braucht den Strom aus der Steckdose, und auch dieses „E-REV“ (extended-range electric vehicle) überzeugt mich persönlich nicht. Die „Anforderungen der meisten europäischen Fahrer, die mehrheitlich weniger als 50 km am Tag zurücklegen“ (Text von der genannten Website) sind nicht meine Anforderungen; bei uns wird das Auto für Strecken unter fünfzig Kilometer nur selten aus der Garage geholt. Eine Reichweite von 500 km reicht nicht für eine längere Urlaubsreise, der 300-Liter-Kofferraum noch weniger. Vielleicht gut als Zweitwagen für den Weg zur Arbeit, aber als einziges Auto im Haushalt keine Lösung (für uns – wie gesagt, alles subjektiv).

      Dass reine Elektroautos nicht der Weisheit letzter Schluss sind, können Sie in einer teilweise emotional und von Fakten unbelastet, teilweise mit sehr viel technischem Sachverstand geführten Diskussion zu einer der oben erwähnten Spiegel-Online-Kolumnen nachlesen; es ging dabei um eine Testfahrt mit einem zum „Plug-in“ umgebauten Prius. Interessant sind dabei die Beiträge von Prius-Fahrern, die mir gezeigt haben, dass Käufer dieses Autos sich offenbar überdurchschnittlich intensiv mit der Technik ihres Fahrzeugs beschäftigen. Prius-Verkäufer dürften von ihren Kunden sicher weniger nach lieferbaren Spoilern und Breitreifen als nach Akku-Kapazität, Wirkungsgrad und Recycling-Quote gefragt werden.
      Fazit: Full-Hybrid ist ein geniales Konzept – und der Prius damit das derzeit vernünftigste Auto für unsere Bedürfnisse und Ansprüche.


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Copyright © 2009 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 8. August 2009, letzte Bearbeitung am 7. Dezember 2009.


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